{"id":688,"date":"2023-12-22T17:06:09","date_gmt":"2023-12-22T16:06:09","guid":{"rendered":"http:\/\/lionofjudah.info\/?p=688"},"modified":"2026-01-17T11:21:07","modified_gmt":"2026-01-17T10:21:07","slug":"hiob","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lionofjudah.info\/?p=688","title":{"rendered":"Hiob"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Buch Hiob<\/h1>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-advancedbtn.kb-btns688_36fdfb-f6{gap:var(--global-kb-gap-xs, 0.5rem );justify-content:flex-end;align-items:center;}.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-button{font-weight:normal;font-style:normal;}.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0{margin-right:5px;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button{color:#555555;border-color:#555555;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:hover, .wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:focus{color:#ffffff;border-color:#444444;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button::before{display:none;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:hover, .wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_36fdfb-f6 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:focus{background:#444444;}<\/style>\n<div class=\"wp-block-kadence-advancedbtn kb-buttons-wrap kb-btns688_36fdfb-f6\"><style>ul.menu .wp-block-kadence-advancedbtn .kb-btn688_4059a9-e1.kb-button{width:initial;}<\/style><a class=\"kb-button kt-button button kb-btn688_4059a9-e1 kt-btn-size-standard kt-btn-width-type-auto kb-btn-global-fill  kt-btn-has-text-true kt-btn-has-svg-false  wp-block-kadence-singlebtn\" href=\"https:\/\/lionofjudah.info\/?p=2384\"><span class=\"kt-btn-inner-text\">Einf\u00fchrung<\/span><\/a>\n\n<style>ul.menu .wp-block-kadence-advancedbtn .kb-btn688_9fd7d9-cd.kb-button{width:initial;}<\/style><a class=\"kb-button kt-button button kb-btn688_9fd7d9-cd kt-btn-size-standard kt-btn-width-type-auto kb-btn-global-fill  kt-btn-has-text-true kt-btn-has-svg-false  wp-block-kadence-singlebtn\" href=\"http:\/\/lionofjudah.info\/?page_id=366\"><span class=\"kt-btn-inner-text\">B\u00fccher der Bibel<\/span><\/a><\/div>\n\n\n<style>.kb-table-of-content-nav.kb-table-of-content-id688_e70baa-7f .kb-table-of-content-wrap{padding-top:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-right:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-bottom:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);padding-left:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);}.kb-table-of-content-nav.kb-table-of-content-id688_e70baa-7f .kb-table-of-contents-title-wrap{padding-top:0px;padding-right:0px;padding-bottom:0px;padding-left:0px;}.kb-table-of-content-nav.kb-table-of-content-id688_e70baa-7f .kb-table-of-contents-title{font-weight:regular;font-style:normal;}.kb-table-of-content-nav.kb-table-of-content-id688_e70baa-7f .kb-table-of-content-wrap .kb-table-of-content-list{font-weight:regular;font-style:normal;margin-top:var(--global-kb-spacing-sm, 1.5rem);margin-right:0px;margin-bottom:0px;margin-left:0px;}<\/style>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 1<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I. Der Eingang des Buches (Kap. 1-3)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Es lebte einst ein Mann im Lande Uz, Hiob mit Namen, und dieser Mann war fromm und rechtschaffen, f\u00fcrchtete Gott und mied das B\u00f6se.<br>2 Sieben S\u00f6hne und drei T\u00f6chter wurden ihm geboren;<br>3 dazu besa\u00df er siebentausend St\u00fcck Kleinvieh und dreitausend Kamele, f\u00fcnfhundert Joch Rinder, f\u00fcnfhundert Eselinnen und ein sehr zahlreiches Gesinde, so da\u00df dieser Mann unter allen Bewohnern des Ostlandes der angesehenste war.<br>4 Nun pflegten seine S\u00f6hne im Hause eines jeden von ihnen an seinem Tage ein festliches Mahl zu veranstalten und luden dann allemal auch ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken.<br>5 Wenn aber die Tage des betreffenden Gastmahls um waren, lie\u00df Hiob ihnen sagen, sie m\u00f6chten sich heiligen; er stand dann am andern Morgen fr\u00fch auf und brachte f\u00fcr jeden von ihnen ein Brandopfer dar; denn Hiob dachte: \u00bbVielleicht haben meine Kinder sich vers\u00fcndigt und in ihrem Herzen Gott verw\u00fcnscht.\u00ab So machte es Hiob jedesmal.<br>6 Nun begab es sich eines Tages, da\u00df die Gottess\u00f6hne kamen, um sich vor Gott, den HERRN, zu stellen; und unter ihnen erschien auch der Satan.<br>7 Da fragte der HERR den Satan: \u00bbWoher kommst du?\u00ab Der Satan gab dem HERRN zur Antwort: \u00bbIch bin auf der Erde umhergestreift und habe eine Wanderung auf ihr vorgenommen.\u00ab<br>8 Da sagte der HERR zum Satan: \u00bbHast du wohl auf meinen Knecht Hiob achtgegeben? Denn so wie er ist kein Mensch auf der Erde, so fromm und rechtschaffen, so gottesf\u00fcrchtig und dem B\u00f6sen feind.\u00ab<br>9 Der Satan erwiderte dem HERRN: \u00bbIst Hiob etwa umsonst so gottesf\u00fcrchtig?<br>10 Hast du nicht selbst ihn und sein Haus und seinen ganzen Besitz rings umhegt? Was seine H\u00e4nde angreifen, das segnest du, so da\u00df sein Herdenbesitz sich immer weiter im Lande ausgebreitet hat.<br>11 Aber strecke doch einmal deine Hand aus und lege sie an alles, was er besitzt: dann wird er sich schon offen von dir lossagen.\u00ab<br>12 Da antwortete der HERR dem Satan: \u00bbGut! alles, was ihm geh\u00f6rt, soll in deine Gewalt gegeben sein! Nur an ihn selbst darfst du die Hand nicht legen!\u00ab Da ging der Satan vom Angesicht des HERRN hinweg.<br>13 W\u00e4hrend nun eines Tages Hiobs S\u00f6hne und T\u00f6chter im Hause ihres \u00e4ltesten Bruders schmausten und Wein tranken,<br>14 kam pl\u00f6tzlich ein Bote zu Hiob und meldete: \u00bbDie Rinder pfl\u00fcgten gerade, und die Eselinnen befanden sich neben ihnen auf der Weide,<br>15 da machten die Sab\u00e4er einen \u00dcberfall und trieben sie weg und erschlugen die Knechte mit dem Schwert; ich bin der einzige, der entronnen ist, um es dir zu melden!\u00ab<br>16 W\u00e4hrend dieser noch redete, kam schon ein anderer und berichtete: \u00bbFeuer Gottes ist vom Himmel gefallen und hat das Kleinvieh und die Knechte vollst\u00e4ndig verbrannt; ich bin der einzige, der entronnen ist, um es dir zu melden!\u00ab<br>17 W\u00e4hrend dieser noch redete, kam schon wieder ein anderer und berichtete: \u00bbDie Chald\u00e4er sind in drei Heerhaufen, die sie aufgestellt hatten, \u00fcber die Kamele hergefallen und haben sie weggetrieben; sie haben auch die Knechte mit dem Schwert niedergemacht; ich bin der einzige, der entronnen ist, um es dir zu melden!\u00ab<br>18 Dieser hatte noch nicht ausgeredet, da kam wieder ein anderer und berichtete: \u00bbDeine S\u00f6hne und T\u00f6chter waren beim Essen und Weintrinken im Hause ihres \u00e4ltesten Bruders,<br>19 da kam pl\u00f6tzlich ein gewaltiger Sturmwind \u00fcber die Steppe her\u00fcber und fa\u00dfte das Haus an seinen vier Ecken, so da\u00df es auf die jungen Leute st\u00fcrzte und sie ums Leben kamen; ich bin der einzige, der entronnen ist, um es dir zu melden!\u00ab<br>20 Da stand Hiob auf, zerri\u00df sein Gewand und schor sich das Haupt; dann warf er sich auf die Erde nieder, ber\u00fchrte den Boden mit der Stirn,<br>21 und sagte: \u00bbNackt bin ich aus meiner Mutter Scho\u00df gekommen, und nackt werde ich dorthin zur\u00fcckkehren; der HERR hat\u2019s gegeben, der HERR hat\u2019s genommen: der Name des HERRN sei gepriesen!\u00ab<br>22 Bei allen diesen Heimsuchungen vers\u00fcndigte sich Hiob nicht und tat nichts Ungeb\u00fchrliches vor Gott.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 2<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da begab es sich eines Tages, da\u00df die Gottess\u00f6hne (1,6) wiederum kamen, um sich vor Gott den HERRN zu stellen; und unter ihnen erschien auch der Satan, um sich vor den HERRN zu stellen.<br>2 Da fragte der HERR den Satan: \u00bbWoher kommst du?\u00ab Der Satan gab dem HERRN zur Antwort: \u00bbIch bin auf der Erde umhergestreift und habe eine Wanderung auf ihr vorgenommen.\u00ab<br>3 Da sagte der HERR zum Satan: \u00bbHast du auch auf meinen Knecht Hiob achtgegeben? Denn so wie er ist kein Mensch auf der Erde, so fromm und rechtschaffen, so gottesf\u00fcrchtig und dem B\u00f6sen feind; noch immer h\u00e4lt er an seiner Fr\u00f6mmigkeit fest, wiewohl du mich gegen ihn gereizt hast, ihn ohne Grund ungl\u00fccklich zu machen.\u00ab<br>4 Der Satan aber erwiderte dem HERRN: \u00bbHaut um Haut! Ja alles, was ein Mensch hat, gibt er f\u00fcr sein Leben hin.<br>5 Aber strecke nur einmal deine Hand aus und lege sie an sein Gebein und sein Fleisch, so wird er sich sicherlich offen von dir lossagen!\u00ab<br>6 Da sagte der HERR zum Satan: \u00bbGut! er soll in deine Gewalt gegeben sein: nur sein Leben sollst du schonen!\u00ab<br>7 Da ging der Satan vom HERRN hinweg und schlug Hiob mit b\u00f6sartigen Geschw\u00fcren von der Fu\u00dfsohle bis zum Scheitel,<br>8 so da\u00df er sich eine Scherbe nahm, um sich mit ihr zu schaben, w\u00e4hrend er mitten in der Asche sa\u00df.<br>9 Da sagte seine Frau zu ihm: \u00bbH\u00e4ltst du denn immer noch an deiner Fr\u00f6mmigkeit fest? Sage dich los von Gott und stirb!\u00ab<br>10 Er aber antwortete ihr: \u00bbDu redest, wie die erste beste T\u00f6rin reden w\u00fcrde! Das Gute haben wir von Gott hingenommen und sollten das Schlimme nicht auch hinnehmen?\u00ab Bei allen diesen Heimsuchungen vers\u00fcndigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen.<br>11 Als nun die drei Freunde Hiobs von all diesem Ungl\u00fcck h\u00f6rten, das ihn betroffen hatte, machten sie sich, ein jeder aus seinem Wohnort, auf den Weg, n\u00e4mlich Eliphas aus Theman, Bildad aus Suah und Zophar aus Naama, und zwar verabredeten sie sich, miteinander hinzugehen, um ihm ihr Beileid auszudr\u00fccken und ihn zu tr\u00f6sten.<br>12 Als sie nun von ferne ihre Augen aufschlugen, erkannten sie ihn nicht mehr; da fingen sie an, laut zu weinen, zerrissen ein jeder sein Gewand und warfen Staub in die Luft auf ihre H\u00e4upter herab.<br>13 Dann sa\u00dfen sie bei ihm auf dem Erdboden sieben Tage und sieben N\u00e4chte lang, ohne da\u00df einer ein Wort zu ihm redete; denn sie sahen, da\u00df sein Schmerz \u00fcberaus gro\u00df war.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 3<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Endlich \u00f6ffnete Hiob den Mund und verfluchte den Tag seiner Geburt,<br>2 indem er ausrief:<br>3 \u00bbVernichtet sei der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, die da verk\u00fcndete: \u203aEin Mann ist empfangen worden!\u2039<br>4 Jener Tag m\u00f6ge zu Finsternis werden! Nicht k\u00fcmmere sich um ihn Gott in der H\u00f6he, und kein Tageslicht m\u00f6ge \u00fcber ihm ergl\u00e4nzen!<br>5 Nein, Finsternis und Todesschatten m\u00f6gen ihn als ihr Eigentum zur\u00fcckfordern, Wolkendunkel sich \u00fcber ihm lagern, Verd\u00fcsterung des Tageslichts ihn schreckensvoll machen!<br>6 Jene Nacht \u2013 sie sei ein Raub des Dunkels! sie werde den Tagen des Jahres nicht beigesellt, in die Zahl der Monate nicht eingereiht!<br>7 Nein, jene Nacht bleibe unfruchtbar, kein Jubelruf sei ihr je beschieden!<br>8 Verw\u00fcnschen m\u00f6gen sie die Tagbeschw\u00f6rer, die es verstehen, den Leviathan in Wut zu versetzen!<br>9 Finster m\u00fcssen die Sterne ihrer D\u00e4mmerung bleiben: sie warte auf Licht, doch es bleibe aus, und niemals erblicke sie die Wimpern des Morgenrots!<br>10 Denn sie hat mir die Pforte des Mutterscho\u00dfes nicht verschlossen und das Unheil vor meinen Augen nicht verborgen.<br>11 Warum bin ich nicht gleich vom Mutterleibe weg gestorben, nicht dem Tode verfallen, als ich aus dem Mutterscho\u00df hervorgekommen war?<br>12 Weshalb haben sich mir Knie liebreich dargeboten und wozu Br\u00fcste, da\u00df ich an ihnen trinken konnte?<br>13 Denn ich w\u00fcrde jetzt im Grabesfrieden liegen, w\u00fcrde schlafen: da h\u00e4tte ich Ruhe<br>14 mit K\u00f6nigen und Volksberatern der Erde, die sich Grabpal\u00e4ste erbaut haben,<br>15 oder mit F\u00fcrsten, die reich an Gold waren und ihre H\u00e4user mit Silber gef\u00fcllt hatten;<br>16 oder, einer verscharrten Fehlgeburt gleich, w\u00e4re ich nicht ins Dasein getreten, den Kindlein gleich, die das Licht nicht erblickt haben.<br>17 Dort haben die Frevler abgelassen vom W\u00fcten, und dort ruhen die aus, deren Kraft ersch\u00f6pft ist;<br>18 dort leben die Gefangenen allesamt in Frieden, h\u00f6ren nicht mehr die Stimme eines Treibers.<br>19 Niedrige und Hohe gelten dort gleich, und frei ist der Knecht von seinem Herrn.<br>20 Warum gibt er dem M\u00fchseligen das Licht, und das Leben denen, die verzweifelten Herzens sind?<br>21 Die sich nach dem Tode sehnen, ohne da\u00df er kommt, und die nach ihm eifriger graben als nach Sch\u00e4tzen?<br>22 Die sich bis zum Jubel freuen, ja aufjauchzen w\u00fcrden, wenn sie das Grab f\u00e4nden?<br>23 (Warum gibt er\u2019s nicht) dem Manne, dem sein Weg in Nacht verborgen ist und dem Gott jeden Ausweg versperrt hat?<br>24 Denn Seufzen ist f\u00fcr mich das t\u00e4gliche Brot, und gleich dem Wasser ergie\u00dft sich meine laute Klage.<br>25 Denn bebe ich vor etwas Furchtbarem, so trifft es bei mir ein, und wovor mir graut, das bricht \u00fcber mich herein:<br>26 ich darf nicht aufatmen noch rasten noch ruhen, so stellt sich schon wieder eine Qual ein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 4<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II. Erster Gespr\u00e4chsgang (Kap. 4-14)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Da hob Eliphas von Theman an und sagte:<br>2 \u00bbWird es dich verdrie\u00dfen, wenn man ein Wort an dich zu richten wagt? Doch wer verm\u00f6chte die Worte zur\u00fcckzuhalten?<br>3 Hast du doch selbst vielen (Leidenden) Mut zugesprochen und erschlaffte H\u00e4nde gest\u00e4rkt;<br>4 manchen Wankenden haben deine Worte aufrecht gehalten, und niedersinkenden Knien hast du neue Kraft verliehen.<br>5 Nun aber, da die Reihe an dich gekommen, bist du verzagt; nun es dich selbst trifft, verlierst du den Halt!\u00ab<br>6 \u00bbIst deine Gottesfurcht nicht deine Zuversicht und dein unstr\u00e4flicher Wandel deine Hoffnung?<br>7 Bedenke doch: Wo ist je ein Unschuldiger zugrunde gegangen, und wo sind Rechtschaffene vernichtet worden?<br>8 Soweit meine Erfahrung reicht: die Unheil gepfl\u00fcgt und Frevel ges\u00e4t hatten, die haben es auch geerntet.<br>9 Durch Gottes Odem kommen sie um, und durch den Hauch seines Zornes vergehen sie.<br>10 Des L\u00f6wen Gebr\u00fcll und die Stimme des Leuen (sind verstummt), und den jungen L\u00f6wen sind die Z\u00e4hne ausgebrochen;<br>11 da kommt auch ein L\u00f6we um aus Mangel an Raub, und die Jungen der L\u00f6win m\u00fcssen sich zerstreuen.\u00ab<br>12 \u00bbZu mir ist aber ein Wort verstohlen gedrungen, und mein Ohr hat einen fl\u00fcsternden Laut davon vernommen<br>13 beim Spiel der durch Traumbilder erregten Gedanken, in der Zeit, wo tiefer Schlaf sich auf die Menschen senkt:<br>14 ein Grauen \u00fcberfiel mich und ein Zittern, durch alle meine Gebeine ging ein Schauder;<br>15 ein Lufthauch strich leise an meinem Antlitz vor\u00fcber; es str\u00e4ubte sich mir das Haar am Leibe empor!<br>16 Da stand \u2013 ihr Aussehen konnte ich nicht erkennen \u2013 eine Gestalt vor meinen Augen, und eine Stimme h\u00f6rte ich fl\u00fcstern:<br>17 \u203aKann wohl ein Mensch gerecht vor Gott sein oder ein Sterblicher rein vor seinem Sch\u00f6pfer?<br>18 Bedenke: seinen Dienern kann er nicht trauen, und seinen Engeln legt er M\u00e4ngel zur Last:<br>19 wieviel mehr denen, die Lehmh\u00fctten bewohnen, deren Grundbau im Staube liegt! Sie werden zerdr\u00fcckt, als w\u00e4ren sie Motten;<br>20 vom Morgen bis zum Abend werden sie zerschmettert; unbeachtet vergehen sie auf ewig.<br>21 Nicht wahr, so ist es: wird das Haltseil ihres Zeltes bei ihnen ausgerissen, so sterben sie und wissen nicht wie.\u2039\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 5<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbJa, rufe nur! Ist jemand da, der dir Antwort gibt? Und an wen von den heiligen (Engeln) willst du dich wenden?<br>2 Vielmehr den Toren bringt sein Unmut um, und den Einf\u00e4ltigen t\u00f6tet sein Eifern.<br>3 Ich selbst habe einen Toren zwar Wurzel schlagen sehen, doch gar schnell hatte ich seine Wohnst\u00e4tte zu verw\u00fcnschen.<br>4 Seinen Kindern blieb die Hilfe fern, und sie wurden im Tor zertreten, ohne da\u00df ein Retter da war.<br>5 Seine Ernte verzehrte ein anderer, der danach hungerte und sie sogar hinter dem Dorngehege wegholte; und Durstige schnappten nach seinem Verm\u00f6gen.<br>6 Denn nicht aus dem Erdenstaube erw\u00e4chst das Unheil, und das Leid spro\u00dft nicht aus der Ackererde hervor,<br>7 sondern der Mensch erzeugt das Leid, wie die Kinder der Flamme einen hohen Flug zu nehmen pflegen.\u00ab<br>8 \u00bbDoch ich, an den H\u00f6chsten w\u00fcrde ich mich wenden und meine Sache Gott anheimstellen,<br>9 ihm, der gro\u00dfe und unerforschliche Dinge tut, Wunderbares ohne Ma\u00df und Zahl \u2013<br>10 ihm, der Regen \u00fcber die Erde hin sendet und des Himmels Na\u00df auf die Fluren fallen l\u00e4\u00dft \u2013,<br>11 insofern er Niedrige emporhebt und Trauernde sich des h\u00f6chsten Gl\u00fccks erfreuen l\u00e4\u00dft;<br>12 ihm, der die Pl\u00e4ne der Listigen vereitelt, so da\u00df ihre H\u00e4nde nichts Erfolgreiches schaffen;<br>13 ihm, der die Klugen trotz ihrer Schlauheit f\u00e4ngt, so da\u00df die Verschlagenen sich in ihren Anschl\u00e4gen \u00fcberst\u00fcrzen:<br>14 am hellen Tage sto\u00dfen sie auf Finsternis, und am Mittag tappen sie im Dunkel wie bei Nacht.<br>15 So rettet er den Wehrlosen vor dem Schwert aus ihrem Rachen, und aus des Starken Faust den Geringen.<br>16 So erbl\u00fcht dem Schwachen neue Hoffnung, die Bosheit aber mu\u00df ihren Mund schlie\u00dfen.\u00ab<br>17 \u00bbO wohl dem Menschen, den Gott in Zucht nimmt! Darum verschm\u00e4he die Z\u00fcchtigung des Allm\u00e4chtigen nicht!<br>18 Denn er verwundet wohl, doch er verbindet auch; wenn er zerschl\u00e4gt, so heilen seine H\u00e4nde auch wieder.<br>19 In sechs Drangsalen errettet er dich, und in sieben wird kein Unheil dich treffen.<br>20 In Hungersnot bewahrt er dich vor dem Tode und im Kriege vor der Gewalt des Schwertes.<br>21 Vor den Gei\u00dfelhieben der Zunge wirst du geborgen sein und brauchst nicht vor der Verheerung zu bangen, da\u00df sie dich erreicht.<br>22 Der Verw\u00fcstung und der Hungersnot darfst du lachen und hast von den wilden Tieren des Landes nichts zu bef\u00fcrchten;<br>23 denn mit den Steinen des Feldes stehst du im Bunde, und das Getier des Feldes lebt mit dir in Frieden.<br>24 So wirst du es denn erfahren, da\u00df dein Zelt in Sicherheit ist, und \u00fcberblickst du dein Geh\u00f6ft, so wirst du nichts vermissen<br>25 und wirst es erleben, da\u00df deine Nachkommenschaft zahlreich ist und dein Nachwuchs gleich dem Gras der Flur.<br>26 In vollreifem Alter wirst du in die Gruft eingehen, wie der Garbenhaufen eingebracht wird zur rechten Zeit.<br>27 Siehe, dies ist es, was wir erforscht haben, so ist es: vernimm es und beherzige es zu deinem Heil!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 6<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbAch, w\u00fcrde doch mein Unmut genau gewogen und legte man mein Ungl\u00fcck zugleich auf die Waage!<br>3 Denn dann w\u00fcrde es schwerer erfunden werden als der Sand am Meere; darum ist meine Rede irre gegangen.<br>4 Denn die Pfeile des Allm\u00e4chtigen stecken in mir, deren brennendes Gift mein Geist in sich einsaugt: Gottes Schrecknisse stellen sich in Schlachtordnung gegen mich auf.<br>5 Schreit etwa ein Wildesel auf grasiger Weide? Oder br\u00fcllt ein Rind bei seinem Futterkorn?<br>6 Genie\u00dft man fade Speisen ohne Salz? Oder ist Wohlgeschmack im Schleim des Eidotters?<br>7 Meine Seele str\u00e4ubt sich dagegen, solche Sachen anzur\u00fchren, und ihnen gleicht die Ekelhaftigkeit meiner Speise.\u00ab<br>8 \u00bbO da\u00df doch meine Bitte erf\u00fcllt w\u00fcrde und Gott mir meine Hoffnung gew\u00e4hrte!<br>9 Gefiele es doch Gott, mich zu zermalmen! Streckte er doch seine Hand aus und schnitte meinen Lebensfaden ab!<br>10 So w\u00fcrde doch das noch ein Trost f\u00fcr mich sein \u2013 ja aufh\u00fcpfen wollte ich trotz des schonungslosen Schmerzes \u2013, da\u00df ich die Gebote des Heiligen nie verleugnet habe.<br>11 Wie gro\u00df ist denn meine Kraft noch, da\u00df ich ausharren k\u00f6nnte? Und welcher Ausgang wartet meiner, da\u00df ich mich noch gedulden sollte?<br>12 Ist meine Kraft etwa hart wie die Kraft der Steine oder mein Leib aus Erz gegossen?<br>13 Ach, bin ich nicht ganz und gar hilflos? Und ist mir nicht alles entrissen, worauf ich mich st\u00fctzen k\u00f6nnte?\u00ab<br>14 \u00bbDem Verzweifelnden geb\u00fchrt Liebe von seinem N\u00e4chsten, selbst wenn er die Furcht vor dem Allm\u00e4chtigen preisgibt.<br>15 Meine Freunde aber haben sich treulos bewiesen wie ein Wildbach, wie die Rinnsale von Wildb\u00e4chen, die (in der Regenzeit) \u00fcberstr\u00f6men,<br>16 die tr\u00fcbe vom Eiswasser dahinflie\u00dfen, wenn der (geschmolzene) Schnee sich in ihnen birgt;<br>17 doch zur Zeit, wo die Sonnenglut sie trifft, versiegen sie: wenn es hei\u00df wird, sind sie spurlos verschwunden.<br>18 Da schl\u00e4ngeln sich die Pfade ihres Laufes, verdunsten in die leere Luft und verlieren sich.<br>19 Die Handelsz\u00fcge von Thema (Jes 21,14) schauen nach ihnen aus, die Wanderz\u00fcge der Sab\u00e4er (1,15) setzen ihre Hoffnung auf sie,<br>20 werden jedoch in ihrem Vertrauen betrogen: sie kommen hin und sehen sich get\u00e4uscht.<br>21 So seid auch ihr jetzt ein Nichts f\u00fcr mich geworden: ihr seht das Schreckliche und seid fassungslos!<br>22 Habe ich etwa gebeten: \u203aGebt mir etwas und macht mir ein Geschenk von eurem Verm\u00f6gen;<br>23 rettet mich aus der Hand meines Bedr\u00e4ngers und kauft mich los aus der Gewalt unbarmherziger Gl\u00e4ubiger\u2039?\u00ab<br>24 \u00bbBelehrt mich, so will ich schweigen, und macht mir klar, worin ich mich verfehlt habe!<br>25 Wie eindringlich sind Worte der Wahrheit! Aber was beweist der Tadel, den ihr aussprecht?<br>26 Beabsichtigt ihr, Worte von mir richtigzustellen? F\u00fcr den Wind sind ja doch die Worte eines Verzweifelnden!<br>27 Sogar \u00fcber ein Waisenkind w\u00fcrdet ihr das Los werfen und euren eigenen Freund verschachern!<br>28 Nun aber \u2013 versteht euch doch dazu, mich anzublicken: ich werde euch doch wahrlich nicht ins Angesicht bel\u00fcgen!<br>29 O kehrt euch her zu mir: tut mir nicht unrecht! Nein, kehrt euch her zu mir; noch steht das Recht in dieser Sache auf meiner Seite!<br>30 Entsteht denn durch meine Zunge Unrecht? Oder fehlt mir das Verm\u00f6gen, Ungl\u00fccksschl\u00e4ge zu unterscheiden?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 7<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbHat der Mensch nicht harten Kriegsdienst auf Erden zu leisten, und gleichen seine Lebenstage nicht den Tagen eines Tagel\u00f6hners?<br>2 Gleich einem Sklaven, der nach Schatten lechzt, und wie ein Tagel\u00f6hner, der auf seinen Lohn harrt,<br>3 so habe auch ich Monate des Elends als Erbteil zugewiesen erhalten, und qualvolle N\u00e4chte sind mir zugeteilt worden.<br>4 Sobald ich mich niedergelegt habe, denke ich: \u203aWann werde ich wieder aufstehen?\u2039 Dann dehnt sich die Nacht endlos aus, und ich werde des Hin- und Herwerfens (\u00fcber)satt bis zum Morgengrauen.<br>5 Mein Leib hat sich mit Gew\u00fcrm und erdiger Kruste umkleidet; meine Haut ist zusammengeschrumpft, um eiternd wieder aufzubrechen.<br>6 Meine Tage fliegen schneller dahin als ein Weberschiffchen und entschwinden hoffnungslos.<br>7 Bedenke, da\u00df mein Leben nur ein Hauch ist! Mein Auge wird das Gl\u00fcck nie wieder zu sehen bekommen!<br>8 Das Auge dessen, der mich jetzt noch erblickt, wird mich bald nicht mehr schauen: suchen deine Augen nach mir, so bin ich nicht mehr da.<br>9 Wie eine Wolke sich aufl\u00f6st und zergeht, so kommt auch, wer ins Totenreich hinabgefahren ist, nicht wieder herauf:<br>10 nie kehrt er wieder in sein Haus zur\u00fcck, und seine Wohnst\u00e4tte wei\u00df nichts mehr von ihm!\u00ab<br>11 \u00bbSo will nun auch ich meinem Munde nicht wehren, will in der Angst meines Herzens reden, in der Verzweiflung meiner Seele klagen.<br>12 Bin ich etwa ein Meer oder ein Seeungeheuer, da\u00df du eine Wache gegen mich aufstellst?<br>13 Wenn ich denke: \u203aTr\u00f6sten wird mich mein Lager, mein Bett wird mir meinen Jammer tragen helfen\u2039,<br>14 so \u00e4ngstigst du mich durch Tr\u00e4ume und schreckst mich durch Nachtgesichte auf,<br>15 so da\u00df ich lieber erw\u00fcrgt sein m\u00f6chte, lieber den Tod s\u00e4he als dies mein Gerippe.<br>16 Nun habe ich\u2019s satt, ich mag nicht ewig so leben: la\u00df ab von mir, denn nur noch ein Hauch sind meine Tage.<br>17 Was ist der Mensch, da\u00df du ihn so gro\u00df achtest und \u00fcberhaupt dein Augenmerk auf ihn richtest?<br>18 Da\u00df du alle Morgen nach ihm ausschaust und ihn alle Augenblicke pr\u00fcfst?<br>19 Wann wirst du endlich deine Blicke von mir wegwenden und mir Ruhe g\u00f6nnen, w\u00e4hrend ich nur meinen Speichel verschlucke?<br>20 Habe ich ges\u00fcndigt: was habe ich dir damit geschadet, du Menschenbeobachter? Warum hast du mich zur Zielscheibe deiner Angriffe hingestellt, so da\u00df ich mir selbst zur Last bin?<br>21 Und warum vergibst du mir meine S\u00fcnde nicht und schenkst meiner Schuld nicht Verzeihung? Denn jetzt werde ich mich in den Staub legen, und suchst du dann nach mir, so bin ich nicht mehr da.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 8<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da nahm Bildad von Suah das Wort und sagte:<br>2 \u00bbWie lange noch willst du solche Reden f\u00fchren, und wie lange noch sollen die Worte deines Mundes als Sturmwind daherfahren?<br>3 Beugt Gott etwa das Recht, oder verdreht der Allm\u00e4chtige die Gerechtigkeit?<br>4 Nur wenn deine Kinder gegen ihn ges\u00fcndigt hatten, hat er sie die Folge ihrer \u00dcbertretung tragen lassen.<br>5 Wenn du aber Gott ernstlich suchst und zum Allm\u00e4chtigen flehst,<br>6 wenn du dabei unstr\u00e4flich und rechtschaffen bist: ja, dann wird er zu deinem Heil erwachen und deine Wohnung als eine St\u00e4tte der Gerechtigkeit wiederherstellen.<br>7 Da wird dann dein vormaliger Gl\u00fccksstand klein erscheinen gegen\u00fcber der Gr\u00f6\u00dfe deiner nachmaligen Lage.\u00ab<br>8 \u00bbDenn befrage nur das fr\u00fchere Geschlecht und achte auf das, was ihre V\u00e4ter erforscht haben!<br>9 Denn wir sind nur von gestern her und wissen nichts, weil unsere Tage nur ein Schatten auf Erden sind;<br>10 sie aber werden dich sicherlich belehren, werden dir\u2019s sagen und aus der Tiefe ihrer Einsicht die Worte hervorgehen lassen:<br>11 \u203aSchie\u00dft Schilfrohr auf, wo kein Sumpf ist? W\u00e4chst Riedgras ohne Wasser auf?<br>12 Noch steht es in frischem Triebe, ist noch nicht reif zum Schnitt, da verdorrt es schon vor allem andern Gras.<br>13 So ergeht es auch allen, die Gott vergessen, und so wird die Hoffnung des Ruchlosen zunichte;<br>14 denn seine Zuversicht setzt er auf Sommerf\u00e4den, und das, worauf er vertraut, ist ein Spinngewebe.<br>15 Er lehnt sich an sein Haus, doch es h\u00e4lt nicht stand; er klammert sich fest daran, doch es bleibt nicht stehen.<br>16 Er strotzt von Saft auch in der Sonnenglut, und seine Sch\u00f6\u00dflinge breiten sich \u00fcber seinen Garten aus;<br>17 (sogar) um Steinger\u00f6ll schlingen sich seine Wurzeln, und in Steingem\u00e4uer bohren sie sich hinein;<br>18 wenn aber er ihn von seiner St\u00e4tte wegrei\u00dft, so verleugnet diese ihn: Ich habe dich nie gesehen!<br>19 Siehe, das ist die Freude, die er von seinem Lebenswege hat, und aus dem Boden sprossen wieder andere auf.\u2039\u00ab<br>20 \u00bbNein, Gott verwirft den Frommen nicht und reicht keinem Frevler die Hand.<br>21 W\u00e4hrend er dir den Mund wieder mit Lachen f\u00fcllen wird und deine Lippen mit lautem Jubel,<br>22 werden deine Widersacher mit Schande bedeckt dastehen, und das Zelt der Frevler wird verschwunden sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 9<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Darauf antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbGewi\u00df, ich wei\u00df, da\u00df es sich so verh\u00e4lt, und wie k\u00f6nnte ein Mensch Gott gegen\u00fcber recht behalten?<br>3 Wenn es ihn gel\u00fcstete, sich mit Gott in einen Rechtsstreit einzulassen, so k\u00f6nnte er ihm auf tausend Fragen keine einzige Antwort geben.<br>4 Ist einer auch reich an Klugheit und stark an Kraft: wer hat ihm (Gott) je getrotzt und ist heil davongekommen?<br>5 Er ist es ja, der Berge versetzt, ohne da\u00df sie es merken, der sie in seinem Zorn umkehrt;<br>6 er macht die Erde aufbeben von ihrer St\u00e4tte, da\u00df ihre S\u00e4ulen ins Wanken geraten;<br>7 er gebietet der Sonne, so geht sie nicht auf, und legt die Sterne unter Siegel;<br>8 er spannt das Himmelszelt aus, er allein, und schreitet hoch auf den Meereswogen einher;<br>9 er hat das B\u00e4rengestirn und den Orion geschaffen, das Siebengestirn und die Kammern des S\u00fcdens;<br>10 er vollf\u00fchrt gro\u00dfe Dinge, da\u00df sie nicht zu erforschen sind, und Wunderwerke, da\u00df man sie nicht z\u00e4hlen kann.<br>11 Siehe, er geht an mir vor\u00fcber, doch ich sehe ihn nicht; er schwebt dahin, doch ich nehme ihn nicht wahr.<br>12 Wenn er hinwegrafft \u2013 wer will\u2019s ihm wehren? Wer darf zu ihm sagen: \u203aWas machst du da?\u2039\u00ab<br>13 \u00bbGott l\u00e4\u00dft von seinem Zorn nicht ab \u2013 unter ihn haben sich sogar die Helfer Rahabs beugen m\u00fcssen \u2013,<br>14 geschweige denn, da\u00df ich ihm Rede stehen k\u00f6nnte und ihm gegen\u00fcber die rechten Worte zu w\u00e4hlen w\u00fc\u00dfte.<br>15 Wenn ich auch im Recht w\u00e4re, k\u00f6nnte ich ihm doch nicht antworten, sondern m\u00fc\u00dfte ihn als meinen Richter noch anflehen!<br>16 Selbst wenn ich ihn vor Gericht z\u00f6ge und er mir Rede st\u00fcnde, w\u00fcrde ich doch nicht glauben, da\u00df er meinen Aussagen Geh\u00f6r schenkte;<br>17 nein, er w\u00fcrde im Sturmesbrausen mich zermalmen und meine Wunden ohne Ursache zahlreich machen;<br>18 er w\u00fcrde mich nicht zu Atem kommen lassen, sondern mich mit bitteren Leiden s\u00e4ttigen.<br>19 Kommt es auf die Kraft des Starken an, so w\u00fcrde er sagen: \u203aHier bin ich!\u2039, und handelt es sich um ein Rechtsverfahren: \u203aWer will mich vorladen?\u2039<br>20 W\u00e4re ich auch im Recht, so m\u00fc\u00dfte doch mein eigener Mund mich verdammen, und w\u00e4re ich schuldlos, so w\u00fcrde er mich doch als schuldig erscheinen lassen.\u00ab<br>21 \u00bbSchuldlos bin ich! Mir liegt nichts an meinem Leben; ich achte mein Dasein f\u00fcr nichts!<br>22 Es kommt auf eins heraus, darum spreche ich es frei aus: Den Unschuldigen vernichtet er wie den B\u00f6sewicht.<br>23 Wenn die Gei\u00dfel (schwerer Volksplagen) j\u00e4hen Tod bringt, so lacht er \u00fcber die Verzweiflung der Unschuldigen.<br>24 Ist ein Land in die Hand eines Frevlers gegeben, so verh\u00fcllt er die Augen seiner Richter; wenn er es nicht tut \u2013 wer denn sonst?<br>25 Und meine Tage eilen schneller dahin als ein L\u00e4ufer, sind entschwunden, ohne das Gl\u00fcck gesehen zu haben;<br>26 sie sind dahingeschossen wie Rohrk\u00e4hne, wie ein Adler, der auf seine Beute st\u00f6\u00dft.<br>27 Wenn ich mir vornehme: \u203aIch will meinen Jammer vergessen, will mein finsteres Aussehen abtun und heiter blicken!\u2039,<br>28 so fa\u00dft mich doch immer wieder ein Schauder vor allen meinen Schmerzen; ich wei\u00df ja, da\u00df du (o Gott) mich nicht f\u00fcr schuldlos erkl\u00e4ren wirst.\u00ab<br>29 \u00bbIch mu\u00df nun einmal als schuldig gelten: wozu soll ich mich da noch vergebens m\u00fchen?<br>30 Wenn ich mich auch mit Schnee w\u00fcsche und meine H\u00e4nde mit Lauge reinigte,<br>31 so w\u00fcrdest du mich doch in die schlammgef\u00fcllte Grube eintauchen, so da\u00df meine eigenen Kleider sich vor mir ekelten.<br>32 Denn Gott ist nicht ein Mann wie ich, da\u00df ich ihm Rede st\u00fcnde, da\u00df wir zusammen vor Gericht treten k\u00f6nnten;<br>33 es gibt zwischen uns keinen Schiedsmann, der seine Hand auf uns beide legen k\u00f6nnte.<br>34 Er nehme seine Rute von mir weg und lasse seinen Schrecken mich nicht mehr \u00e4ngstigen:<br>35 so will ich reden, ohne mich vor ihm zu f\u00fcrchten; denn nicht also bin ich\u2019s mir bewu\u00dft (da\u00df ich ihn f\u00fcrchten m\u00fc\u00dfte).\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 10<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbMir ekelt vor meinem Leben: so will ich denn meiner Klage \u00fcber ihn freien Lauf lassen, will reden in der Verzweiflung meiner Seele!<br>2 Ich will zu Gott sagen: \u203aBehandle mich nicht als einen Frevler! La\u00df mich wissen, warum du gegen mich im Streite liegst!<br>3 Ist es wohlgetan von dir, da\u00df du gewaltsam verf\u00e4hrst, da\u00df du das Gebilde deiner H\u00e4nde verwirfst, w\u00e4hrend du zu den Anschl\u00e4gen der Frevler dein Licht leuchten l\u00e4\u00dft?<br>4 Sind deine Augen von Fleisch, oder siehst du die Dinge so an, wie Menschen sie sehen?<br>5 Gleichen deine Tage denen eines Sterblichen, oder sind deine Jahre wie die Lebenstage eines Mannes,<br>6 da\u00df du nach einer Verschuldung bei mir suchst und nach einer Missetat bei mir forschest,<br>7 obgleich du wei\u00dft, da\u00df es f\u00fcr mich keine Rettung gibt, und da\u00df niemand da ist, der mich aus deiner Hand erretten kann?\u00ab<br>8 \u00bbDeine H\u00e4nde haben mich kunstvoll gebildet und sorgsam gestaltet, danach aber hast du dich dazu gewandt, mich zu vernichten.<br>9 Denke doch daran, da\u00df du mich wie Ton geformt hast; und nun willst du mich wieder zu Staub machen?<br>10 Hast du mich nicht einstmals wie Milch hingegossen und wie Molken mich gerinnen lassen?<br>11 Mit Haut und Fleisch hast du mich umkleidet und mit Knochen und Sehnen mich durchflochten;<br>12 Leben und Huld hast du mir gew\u00e4hrt, und deine Obhut hat meinen Odem bewahrt.<br>13 Doch du hast dabei im geheimen den Gedanken gehegt \u2013 ich wei\u00df, da\u00df dies bei dir fest beschlossen gewesen ist \u2013:<br>14 Sobald ich s\u00fcndigte, wolltest du es mir gedenken und mich von meiner Verfehlung nicht freisprechen.<br>15 W\u00fcrde ich mich verschulden, dann wehe mir! Aber auch wenn ich schuldlos bliebe, sollte ich doch mein Haupt nicht erheben, sondern mit Schande ges\u00e4ttigt und mit Elend vollauf getr\u00e4nkt werden;<br>16 w\u00fcrde mein Haupt sich aber emporrichten: wie ein L\u00f6we wolltest du mich jagen und immer wieder deine Wundermacht an mir erweisen;<br>17 wolltest immer neue Zeugen gegen mich auftreten lassen und deinen Zorn gegen mich noch steigern, ein immer neues Heer von Leiden gegen mich aufbieten.\u00ab<br>18 \u00bbAber warum hast du mich aus dem Mutterscho\u00df hervorgehen lassen? Ich h\u00e4tte verscheiden sollen, noch ehe ein Auge mich sah,<br>19 h\u00e4tte werden sollen, als w\u00e4re ich nie gewesen, vom Mutterscho\u00df weg sogleich zum Grabe getragen!<br>20 Sind nicht meine Lebenstage nur noch wenige? So h\u00f6re doch auf und la\u00df ab von mir, damit ich noch ein wenig heiter blicken kann,<br>21 bevor ich, ohne zur\u00fcckzukehren, dahinfahre in das Land der Finsternis und des Todesschattens,<br>22 in das Land, das d\u00fcster ist wie tiefe Nacht, in das Land des Todesschattens und des Wustes, wo das Aufleuchten (des Tages) so hell ist wie Finsternis.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 11<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da nahm Zophar von Naama das Wort und sagte:<br>2 \u00bbSoll (dieser) Wortschwall ohne Antwort bleiben und dieser Zungenheld recht behalten?<br>3 Dein Gerede sollte M\u00e4nner zum Schweigen bringen, und du solltest h\u00f6hnen d\u00fcrfen, ohne von jemand widerlegt zu werden?!\u00ab<br>4 Du hast ja doch behauptet: \u203aMeine Darlegung ist richtig\u2039, und: \u203aIch stehe unstr\u00e4flich in deinen Augen da!\u2039<br>5 Ach, m\u00f6chte Gott doch reden und seine Lippen gegen dich auftun<br>6 und dir die verborgenen Tiefen der Weisheit offenbaren, da\u00df sie allseitig an wahrem Wissen sind! Dann w\u00fcrdest du erkennen, da\u00df Gott dir einen Teil deiner S\u00fcndenschuld noch zugute h\u00e4lt.<br>7 Kannst du den Urgrund der Gottheit erreichen oder bis zur Vollkommenheit des Allm\u00e4chtigen vordringen?<br>8 Himmelhoch ist sie \u2013 was kannst du denn erreichen? Tiefer als das Totenreich ist sie \u2013 wie weit reicht denn dein Wissen?<br>9 L\u00e4nger als die Erde ist ihr Ma\u00df und breiter als das Meer.<br>10 Wenn er daherf\u00e4hrt und in Verhaft nimmt und zur Gerichtsverhandlung ruft \u2013 wer will ihm da wehren?<br>11 Denn er kennt die nichtsw\u00fcrdigen Leute und nimmt das Unrecht wahr, ohne besonderer Aufmerksamkeit zu bed\u00fcrfen.\u00ab<br>12 \u00bbDa mu\u00df selbst ein Hohlkopf zu Verstand kommen und ein Wildeself\u00fcllen zum Menschen umgeboren werden.<br>13 Wenn du nun dein Herz in die rechte Verfassung setzen und deine H\u00e4nde zu ihm ausbreiten wolltest \u2013<br>14 klebt eine Schuld an deiner Hand, so entferne sie und la\u00df in deinen Zelten kein Unrecht wohnen! \u2013:<br>15 ja, dann k\u00f6nntest du dein Angesicht vorwurfsfrei erheben und w\u00fcrdest wie aus Erz gegossen dastehen, frei von aller Furcht;<br>16 ja, dann w\u00fcrdest du dein Leiden vergessen, w\u00fcrdest daran zur\u00fcckdenken wie an Wasser, das sich verlaufen hat.<br>17 Heller als der Mittag w\u00fcrde das Leben dir aufgehen; mag auch einmal Dunkel dich umgeben, wie lichter Morgen w\u00fcrde es werden.<br>18 Du w\u00fcrdest dich dessen getr\u00f6sten, da\u00df noch Hoffnung vorhanden sei, und wenn du Umschau hieltest, getrost dich zum Schlafen niederlegen;<br>19 du w\u00fcrdest dich lagern, ohne von jemand aufgeschreckt zu werden, und viele w\u00fcrden sich um deine Gunst bem\u00fchen.<br>20 Dagegen die Augen der Frevler erl\u00f6schen: f\u00fcr sie ist jede M\u00f6glichkeit zum Entfliehen verloren, und ihre (einzige) Hoffnung ist \u2013 die Seele auszuhauchen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 12<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbWahrhaftig, ihr seid das Volk, und mit euch wird die Weisheit aussterben!<br>3 Ich besitze auch Verstand ebensogut wie ihr: ich stehe hinter euch nicht zur\u00fcck; wem sollten auch derartige Dinge unbekannt sein?<br>4 Dem eigenen Freunde mu\u00df ich zum Spott dienen, ich, der ich vordem Gott angerufen und auch Erh\u00f6rung gefunden habe! Zum Spott mu\u00df der Gerechte, der Fromme dienen!<br>5 Dem Ungl\u00fcck geb\u00fchrt Verachtung nach der Ansicht des sich sicher F\u00fchlenden: ein Sto\u00df noch denen, deren Fu\u00df bereits wankt!<br>6 In Ruhe liegen die Zelte von Gewaltt\u00e4tigen da, und in Sicherheit leben die, welche Gott Trotz bieten, ein jeder, der seinen Gott in seiner Faust f\u00fchrt.\u00ab<br>7 \u00bbAber frage doch das Vieh, das wird dich\u2019s lehren, und die V\u00f6gel des Himmels, die werden dir\u2019s kundtun;<br>8 oder betrachte (den Wurm auf der) Erde, er wird dich\u2019s lehren, und die Fische des Meeres werden dir\u2019s bezeugen:<br>9 wer von diesen allen w\u00fc\u00dfte nicht, da\u00df die Hand des HERRN diese Welt geschaffen hat,<br>10 er, in dessen Hand die Seele aller lebenden Gesch\u00f6pfe liegt und der Odem eines jeden Menschenwesens?<br>11 Soll nicht das Ohr die Worte pr\u00fcfen, gleichwie der Gaumen sich die Speisen kostend ausw\u00e4hlt?<br>12 \u203aBei den Greisen soll die Weisheit wohnen, und langes Leben Einsicht verleihen?\u2039<br>13 Nein, bei ihm wohnt Weisheit und St\u00e4rke, sein ist der Rat und die Einsicht!\u00ab<br>14 \u00bbSiehe, wenn er niederrei\u00dft, so wird nicht wieder aufgebaut; wen er einkerkert, dem wird nicht wieder aufgetan.<br>15 Siehe, wenn er die Wasser hemmt, so versiegen sie, und wenn er sie entfesselt, so w\u00fchlen sie die Erde um.<br>16 Bei ihm ist Kraft und vollkommenes Wissen: ihm f\u00e4llt der Irrende wie der Irref\u00fchrende in die H\u00e4nde.<br>17 Er l\u00e4\u00dft Ratsherren als Barf\u00fc\u00dfige hinwegziehen und erweist Richter als Toren;<br>18 die Zwingherrschaft von K\u00f6nigen l\u00f6st er auf und schlingt ihnen einen Strick um die eigenen H\u00fcften;<br>19 Priester f\u00fchrt er als Barf\u00fc\u00dfige hinweg und bringt die im Amt Ergrauten zu Fall;<br>20 erprobten Wortf\u00fchrern entzieht er die Rede und benimmt den Greisen das gesunde Urteil;<br>21 \u00fcber Edle gie\u00dft er Schande aus und l\u00f6st den Schwertgurt von Gewalthabern;<br>22 Tiefverborgenes enth\u00fcllt er aus dem Dunkel heraus und zieht finstere Nacht ans Licht hervor;<br>23 er l\u00e4\u00dft V\u00f6lker gro\u00df aufwachsen und vernichtet sie wieder; er breitet V\u00f6lker weit aus und l\u00e4\u00dft sie dann verschleppen;<br>24 er raubt den Volksh\u00e4uptern des Landes den Verstand und l\u00e4\u00dft sie umherirren in pfadloser Ein\u00f6de,<br>25 da\u00df sie in lichtloser Finsternis tappen, und er l\u00e4\u00dft sie umherirren wie Trunkene.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 13<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbSeht, dies alles hat mein Auge gesehen, hat mein Ohr geh\u00f6rt und es sich gemerkt.<br>2 Soviel ihr wi\u00dft, wei\u00df ich auch: ich stehe hinter euch nicht zur\u00fcck.<br>3 Doch ich will zum Allm\u00e4chtigen reden und trage Verlangen, mich mit Gott auseinanderzusetzen.<br>4 Ihr dagegen seid nur L\u00fcgenschmiede, Pfuscher\u00e4rzte allesamt.<br>5 O wolltet ihr doch ganz stille schweigen: das w\u00fcrde euch als Weisheit angerechnet werden.<br>6 H\u00f6rt doch meine Rechtfertigung an und achtet auf die Entgegnungen meiner Lippen!<br>7 Wollt ihr Gott zur Ehre L\u00fcgen reden und ihm zuliebe Trug vorbringen?<br>8 Wollt ihr Parteilichkeit zu seinen Gunsten \u00fcben oder Gottes Sachwalter spielen?<br>9 W\u00fcrde es gut f\u00fcr euch ablaufen, wenn er euch ins Verh\u00f6r nimmt, oder k\u00f6nnt ihr ihn narren, wie man Menschen narrt?<br>10 Mit aller Strenge wird er euch strafen, wenn ihr im geheimen Partei (f\u00fcr ihn) ergreift.<br>11 Wird nicht sein blo\u00dfes Sich-Erheben euch fassungslos machen und Schrecken vor ihm euch befallen?<br>12 Eure Denkspr\u00fcche sind Spr\u00fcche so lose wie Asche, eure Schanzen erweisen sich als Schanzen von Lehm!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hiob tritt in diesen Rechtsstreit zuversichtlich ein, vorausgesetzt da\u00df Gott ihm die erforderliche R\u00fccksicht durch Fernhalten seines Schreckens gew\u00e4hren wollte<\/h3>\n\n\n\n<p>13 \u00bbSo schweigt denn vor mir still: ich will reden, es mag \u00fcber mich hereinfahren, was da will!<br>14 Warum sollte ich mein Fleisch in meinen Z\u00e4hnen forttragen und meine Seele in meine offene Hand legen?<br>15 Er wird mich ja doch t\u00f6ten, ich habe auf nichts mehr zu hoffen; nur meinen bisherigen Wandel will ich offen vor ihm darlegen.<br>16 Schon das mu\u00df mir zugute kommen, denn kein Heuchler darf ihm vor die Augen treten.<br>17 So h\u00f6rt denn meine Rede aufmerksam an und la\u00dft meine Darlegung in euer Ohr dringen!<br>18 Seht doch: ich bin zum Rechtsstreit ger\u00fcstet! Ich wei\u00df, da\u00df ich, ja ich, recht behalten werde.<br>19 Wer ist es, der mit mir rechten d\u00fcrfte? Denn in diesem Fall wollte ich lieber verstummen und den Tod erleiden!<br>20 Nur zweierlei tu mir dabei nicht an (o Gott), dann will ich mich vor deinem Angesicht nicht verbergen:<br>21 ziehe deine Hand von mir zur\u00fcck und la\u00df deine schreckliche Erscheinung mich nicht \u00e4ngstigen!<br>22 Dann rufe mich, so will ich mich verantworten; oder ich will reden, und du entgegne mir!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">In der Hoffnung darauf legt er Gott schon jetzt die Frage nach seiner Schuld vor<\/h3>\n\n\n\n<p>23 \u00bbWie viele \u00dcbertretungen und Missetaten habe ich (begangen)? Meine \u00dcbertretung und meine S\u00fcnde la\u00df mich wissen!<br>24 Warum verbirgst du dein Angesicht vor mir und siehst in mir deinen Feind?<br>25 Willst du ein verwehtes Blatt noch aufschrecken und einem d\u00fcrren Strohhalm noch nachjagen,<br>26 da\u00df du mir so bittere Arzneien verschreibst und mich sogar die Verfehlungen meiner Jugend b\u00fc\u00dfen l\u00e4\u00dft?<br>27 Da\u00df du meine F\u00fc\u00dfe in den Block legst und alle meine Pfade \u00fcberwachst, meinen F\u00fc\u00dfen jede freie Bewegung entziehst,<br>28 mir, einem Manne, der wie ein vom Wurm zerfressenes Ger\u00e4t zerf\u00e4llt, wie ein Kleid, das die Motten zernagt haben?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 14<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das menschliche Leben ist kurz und dabei voller M\u00fchsal; warum l\u00e4\u00dft Gott es nicht in Ruhe verlaufen?<\/h3>\n\n\n\n<p>1 \u00bbDer Mensch, vom Weibe geboren, ist arm an Lebenszeit, aber \u00fcberreich an Unruhe:<br>2 wie eine Blume sprie\u00dft er auf und verwelkt, er flieht wie ein Schatten dahin und hat keinen Bestand.<br>3 Dennoch h\u00e4ltst du \u00fcber einem solchen (Wesen) deine Augen offen und ziehst ihn vor deinen Richterstuhl!<br>4 Wie k\u00f6nnte wohl ein Reiner von Unreinen herkommen? nein, nicht ein einziger.<br>5 Wenn denn seine Tage genau bemessen sind, wenn die Zahl seiner Monde bei dir feststeht und du ihm eine Grenze gesetzt hast, die er nicht \u00fcberschreiten darf,<br>6 so wende doch deine Blicke von ihm weg, damit er Ruhe habe, bis er wie ein Tagel\u00f6hner mit Befriedigung auf seinen Tag hinblicken kann!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr den Menschen gibt es nach dem Tode keine Hoffnung, keine Zukunft mehr<\/h3>\n\n\n\n<p>7 \u00bbDenn f\u00fcr einen Baum bleibt eine Hoffnung bestehen: wird er abgehauen, so schl\u00e4gt er von neuem aus, und seine Sch\u00f6\u00dflinge h\u00f6ren nicht auf.<br>8 Wenn auch seine Wurzel in der Erde altert und sein Stumpf im Boden abstirbt,<br>9 so treibt er doch vom Duft des Wassers neue Sprossen und bringt Zweige hervor wie ein junges Reis.<br>10 Wenn aber ein Mann stirbt, so liegt er hingestreckt da, und wenn ein Mensch verscheidet, wo ist er dann?<br>11 Wie das Wasser aus einem Teich verdunstet und ein Strom versiegt und austrocknet,<br>12 so legt der Mensch sich nieder und steht nicht wieder auf: bis der Himmel nicht mehr ist, erwachen sie nicht wieder und werden aus ihrem Schlaf nicht aufger\u00fcttelt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hiob kann wegen des Zustandes der Verstorbenen im Totenreich keine Hoffnung auf Auferstehung, auf Rechtfertigung und Gl\u00fcck haben, denn mit dem Tode ist alles Erfreuliche zu Ende<\/h3>\n\n\n\n<p>13 \u00bbO wenn du mich doch im Totenreiche verwahrtest, mich dort verbergen wolltest, bis dein Zorn sich gelegt h\u00e4tte, mir eine Frist bestimmtest und dann meiner ged\u00e4chtest!<br>14 Doch wenn der Mensch gestorben ist \u2013 kann er wohl wieder aufleben? Dann wollte ich alle Tage meines Frondienstes harren, bis die Abl\u00f6sung f\u00fcr mich k\u00e4me:<br>15 dann w\u00fcrdest du rufen und ich g\u00e4be dir Antwort; nach dem Werk deiner H\u00e4nde w\u00fcrdest du Verlangen tragen;<br>16 ja, dann w\u00fcrdest du meine Schritte sorglich z\u00e4hlen, \u00fcber einen Fehltritt von mir kein strenger W\u00e4chter sein;<br>17 nein, versiegelt w\u00fcrde meine \u00dcbertretung in einem B\u00fcndel liegen, und meine Schuld h\u00e4ttest du verklebt.<br>18 Doch nein \u2013 Berge st\u00fcrzen in sich zusammen, und Felsen werden von ihrer Stelle wegger\u00fcckt,<br>19 Steine h\u00f6hlt das Wasser aus, und seine G\u00fcsse schwemmen das Erdreich weg: so machst du auch die Hoffnung des Menschen zunichte.<br>20 Du \u00fcberw\u00e4ltigst ihn auf ewig, und er mu\u00df davon; sein Antlitz entstellend, l\u00e4\u00dft du ihn dahinfahren.<br>21 Gelangen seine Kinder zu Ehren \u2013 er wei\u00df nichts davon; und sinken sie in Schande hinab \u2013 er achtet nicht auf sie.<br>22 Nur seines eigenen Leibes Schmerzen f\u00fchlt er, und nur um sich selbst empfindet seine Seele Trauer.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 15<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">III. Zweiter Gespr\u00e4chsgang (Kap. 15-21)<\/h3>\n\n\n\n<p>Hiob Kapitel 1 Da nahm Eliphas von Theman das Wort und sagte:<br>2 \u00bbWird wohl ein Weiser windiges Wissen als Antwort vortragen und seine Lunge mit (blo\u00dfem) Ostwind bl\u00e4hen,<br>3 um sich mit Reden zu verantworten, die nichts taugen, und mit Worten, durch die er nichts n\u00fctzt?<br>4 Dazu vernichtest du die fromme Scheu und tust der Andachtsstille Abbruch, die Gott geb\u00fchrt;<br>5 denn dein Schuldbewu\u00dftsein macht deinen Mund beredt, und du w\u00e4hlst die Sprache der Verschmitzten.<br>6 Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich, und deine eigenen Lippen zeugen gegen dich.<br>7 Bist du etwa als erster der Menschen geboren und noch vor den Bergen auf die Welt gekommen?<br>8 Hast du im Rate Gottes als Zuh\u00f6rer gelauscht und dort die Weisheit an dich gerissen?<br>9 Was wei\u00dft du denn, das wir nicht auch w\u00fc\u00dften? was verstehst du, das uns nicht auch bekannt w\u00e4re?<br>10 Auch unter uns sind Ergraute, sind Wei\u00dfk\u00f6pfe, reicher noch als dein Vater an Lebenstagen.<br>11 Sind dir die Tr\u00f6stungen Gottes minderwertig, und gilt ein Wort der Sanftmut nichts bei dir?<br>12 Was rei\u00dft deine Leidenschaft dich fort, und was rollen deine Augen,<br>13 da\u00df du gegen Gott deine Wut richtest und (solche) Reden deinem Munde entfahren l\u00e4\u00dft?<br>14 Was ist der Mensch, da\u00df er rein sein k\u00f6nnte, und der vom Weibe Geborene, da\u00df er als gerecht dast\u00e4nde?<br>15 Bedenke doch: selbst seinen heiligen (Engeln) traut er nicht, und nicht einmal der Himmel ist rein in seinen Augen:<br>16 geschweige denn der Abscheuliche und Entartete, der Mensch, dem Unrechttun wie Wassertrinken ist!\u00ab<br>17 \u00bbIch will dich unterweisen: h\u00f6re mir zu; und was ich gesehen habe, will ich berichten,<br>18 was die Weisen von ihren V\u00e4tern \u00fcberkommen und ohne Hehl verk\u00fcndigt haben \u2013<br>19 ihnen war noch allein das Land \u00fcbergeben, und noch kein Fremder war unter ihnen umhergezogen \u2013:<br>20 \u203aSein ganzes Leben lang mu\u00df der Frevler sich \u00e4ngstigen, und zwar alle die Jahre hindurch, die dem Gewaltt\u00e4tigen beschieden sind.<br>21 Schreckensrufe dringen ihm laut ins Ohr; mitten im ruhigen Gl\u00fcck \u00fcberf\u00e4llt ihn der Verderber;<br>22 er hegt keine Zuversicht, aus der Finsternis wieder herauszukommen, und ist (in seiner Angst) f\u00fcr das Schwert ausersehen.<br>23 Er irrt nach Brot umher \u2013 wo findet er\u2019s? Er wei\u00df, da\u00df durch ihn der Tag des Verderbens festgesetzt ist.<br>24 Angst und Bangigkeit schrecken ihn: sie \u00fcberw\u00e4ltigen ihn wie ein K\u00f6nig, der zum Sturm ger\u00fcstet ist.<br>25 Weil er seine Hand gegen Gott erhoben und dem Allm\u00e4chtigen Trotz geboten hat \u2013<br>26 er st\u00fcrmte gegen ihn an mit emporgerecktem Halse, mit den dichten Buckeln seiner Schilde \u2013<br>27 weil er sein Gesicht von Fett hatte strotzen lassen und Schmer an seinen Lenden angesetzt<br>28 und sich in gebannten St\u00e4dten angesiedelt hatte, in H\u00e4usern, die unbewohnt bleiben sollten, die zu Tr\u00fcmmerhaufen bestimmt waren:<br>29 so bringt er\u2019s nicht zu Reichtum, und sein Wohlstand hat keinen Bestand, und seine Sichel neigt sich nicht zur Erde.<br>30 Er kommt nicht aus der Finsternis heraus; seine Sch\u00f6\u00dflinge versengt die Gluthitze, und er selbst vergeht durch den Zornhauch des Mundes Gottes.<br>31 Er verlasse sich nicht auf Trug: er t\u00e4uscht sich nur; denn Trug wird auch das sein, was er durch seinen eigenen (Trug) erzielt:<br>32 ehe noch seine Zeit da ist, erf\u00fcllt sich sein Geschick, w\u00e4hrend sein Wipfel noch nicht gegr\u00fcnt hat.<br>33 Wie der Weinstock st\u00f6\u00dft er seine Beeren unreif ab und l\u00e4\u00dft wie der \u00d6lbaum seine Bl\u00fcten abfallen.<br>34 Denn die Rotte des Frevlers bleibt ohne Frucht, und Feuer verzehrt die Zelte der Bestechung.<br>35 Mit Unheil gehen sie schwanger und geb\u00e4ren Frevel, und ihr Inneres bringt nur Selbstt\u00e4uschung zutage.\u2039\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 16<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Darauf antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbDergleichen habe ich nun schon vieles geh\u00f6rt: leidige Tr\u00f6ster seid ihr allesamt!<br>3 Haben die windigen Reden nun ein Ende? Oder was dr\u00e4ngt dich dazu, mir noch weiter zu erwidern?<br>4 Auch ich k\u00f6nnte reden wie ihr \u2013 o w\u00e4rt ihr nur an meiner Stelle! \u2013, ich w\u00fcrde (aber) freundliche Worte gegen euch aufbringen und beif\u00e4llig mit dem Kopfe euch zunicken;<br>5 ich wollte euch mit meinem Munde Mut zusprechen, und das Beileid meiner Lippen sollte euch Trost bringen!\u00ab<br>6 \u00bbWenn ich rede, wird mein Schmerz nicht gelindert, und wenn ich\u2019s unterlasse \u2013 um was werde ich erleichtert?<br>7 Doch nunmehr hat er meine Kraft ersch\u00f6pft! Verw\u00fcstet hast du meinen ganzen Hausstand<br>8 und hast mich gepackt; das mu\u00df als Zeugnis gegen mich gelten, und mein Siechtum tritt gegen mich auf, klagt mich ins Angesicht an.<br>9 Sein Zorn hat mich zerfleischt und befeindet; er hat mit den Z\u00e4hnen gegen mich geknirscht; als mein Gegner wirft er mir durchbohrende Blicke zu.<br>10 Ihr Maul haben sie gegen mich aufgerissen, unter Schm\u00e4hung mir Faustschl\u00e4ge ins Gesicht versetzt; zusammen hat man sich vollz\u00e4hlig gegen mich aufgestellt.<br>11 Gott hat mich B\u00f6sewichten preisgegeben und mich in die H\u00e4nde von Frevlern fallen lassen.<br>12 In Frieden lebte ich, da schreckte er mich auf, fa\u00dfte mich beim Genick und schmetterte mich nieder und lie\u00df mich nur wieder aufstehen, damit ich ihm als Zielscheibe diente:<br>13 seine Pfeile umschwirren mich, er durchbohrt mir die Nieren erbarmungslos, l\u00e4\u00dft mein Herzblut zur Erde flie\u00dfen.<br>14 Er schl\u00e4gt mir Wunde auf Wunde, st\u00fcrmt gegen mich an wie ein wilder Krieger.<br>15 Das Trauergewand habe ich mir um den krustigen Leib geheftet und mein Horn tief in den Staub hineingebohrt.<br>16 Mein Gesicht ist vom Weinen hochger\u00f6tet, und auf meinen Augenlidern lagert Todesschatten,<br>17 obwohl keine Schuld an meinen H\u00e4nden klebt und mein Gebet aufrichtig ist.\u00ab<br>18 \u00bbO Erde, decke mein Blut nicht zu, und mein Wehgeschrei finde keine Ruhestatt!<br>19 Schon jetzt \u2013 wisset es wohl! \u2013 ist ein Zeuge f\u00fcr mich im Himmel vorhanden und mein B\u00fcrge in der H\u00f6he.<br>20 Meine Freunde verh\u00f6hnen mich \u2013 zu Gott blickt mein Auge tr\u00e4nenvoll empor,<br>21 da\u00df er dem Manne Recht schaffe Gott gegen\u00fcber und zwischen dem Menschen und seinem Freunde entscheide.<br>22 Denn nur noch wenige Jahre werden kommen, dann werde ich den Pfad wandeln, auf dem es keine R\u00fcckkehr f\u00fcr mich gibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 17<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Meine Lebenskraft ist gebrochen, meine Tage sind erloschen; nur die Gr\u00e4berst\u00e4tte wartet meiner noch!\u00ab<br>2 \u00bbWahrlich, der Spott treibt sein Spiel mit mir, und mein Auge mu\u00df auf ihren Beleidigungen weilen!<br>3 O setze doch das Pfand ein, verb\u00fcrge dich doch f\u00fcr mich bei dir selbst! Wer sollte sonst als B\u00fcrge mir den Handschlag leisten?<br>4 Denn ihr Herz hast du der Einsicht verschlossen; darum kannst du sie auch nicht obsiegen lassen.<br>5 Wenn jemand seine Freunde verr\u00e4t, um etwas von ihrem Besitz an sich zu bringen, so werden die Augen seiner Kinder daf\u00fcr verschmachten.<br>6 Und mich hat er f\u00fcr alle Welt zum Gesp\u00f6tt gemacht, und ich mu\u00df mir ins Angesicht speien lassen;<br>7 da ist mein Auge vor Gram erloschen, und alle meine Glieder sind nur noch wie ein Schatten.<br>8 Dar\u00fcber entsetzen sich die Rechtschaffenen, und der Unschuldige ger\u00e4t in Emp\u00f6rung \u00fcber den Ruchlosen.<br>9 Doch der Gerechte soll an seinem Wege festhalten, und wer reine H\u00e4nde hat, soll an Kraft noch zunehmen.\u00ab<br>10 \u00bbIhr alle aber, kommt immerhin aufs neue heran: ich werde doch keinen Weisen unter euch finden.<br>11 Meine Tage sind abgelaufen, meine Pl\u00e4ne vereitelt, die Bestrebungen meines Herzens!<br>12 Die Nacht wollen sie zum Tage machen: das Licht soll mir n\u00e4her sein als die Finsternis!<br>13 Wenn ich schon das Totenreich als meine Behausung erwarte, in der Finsternis mir mein Lager schon ausgebreitet habe,<br>14 wenn ich dem Grabe bereits zugerufen habe: \u203aMein Vater bist du!\u2039 und dem Gew\u00fcrm: \u203aMeine Mutter und meine Schwester!\u2039 \u2013<br>15 wo ist da noch eine Hoffnung f\u00fcr mich? Ja, eine Hoffnung f\u00fcr mich \u2013 wer mag sie erschauen?<br>16 Zu den Riegeln des Totenreichs f\u00e4hrt sie (die Hoffnung) hinab, wenn zugleich (f\u00fcr den Leib) im Staube Ruhe sein wird.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 18<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da nahm Bildad von Suah das Wort und sagte:<br>2 \u00bbWie lange wollt ihr noch Jagd auf (blo\u00dfe) Worte machen? Nehmt Verstand an: dann wollen wir reden!<br>3 Warum werden wir den vernunftlosen Tieren gleichgeachtet, von euch als vernagelt angesehen?<br>4 Du, der in seinem Zorn sich selbst zerfleischt \u2013 soll um deinetwillen die Erde menschenleer werden und der Fels von seiner Stelle wegr\u00fccken?\u00ab<br>5 \u00bbJawohl, das Licht des Frevlers wird erl\u00f6schen und die Flamme seines Herdfeuers nicht mehr leuchten;<br>6 das Licht wird dunkel werden in seinem Zelt, und seine Leuchte erlischt \u00fcber ihm;<br>7 seine sonst so r\u00fcstigen Schritte werden kurz, und seine eigenen Anschl\u00e4ge bringen ihn zu Fall;<br>8 denn er wird von seinen eigenen F\u00fc\u00dfen ins Netz getrieben, und auf Fallgittern wandelt er dahin.<br>9 Die Schlinge erfa\u00dft seine Ferse, der Fallstrick h\u00e4lt ihn fest;<br>10 am Boden liegt das Fanggarn f\u00fcr ihn verborgen, und die Falle wartet seiner auf dem Pfade.<br>11 Ringsum \u00e4ngstigen ihn Schrecknisse und hetzen ihn auf Schritt und Tritt.<br>12 Das ihm bestimmte Unheil hungert nach ihm, und das Verderben steht zu seinem Sturz bereit.<br>13 Es fri\u00dft die Glieder seines Leibes, es fri\u00dft seine Glieder der erstgeborene Sohn des Todes.<br>14 Herausgerissen wird er aus seinem Zelt, wo er sich sicher f\u00fchlte, und es treibt ihn hin zum K\u00f6nig der Schrecken.<br>15 In seinem Zelt haust eine Bewohnerschaft, die nicht zu ihm geh\u00f6rt; Schwefel wird auf seine Wohnst\u00e4tte gestreut.<br>16 Unten verdorren seine Wurzeln, und oben verwelken seine Zweige.<br>17 Das Andenken an ihn verschwindet von der Erde, und kein Name verbleibt ihm drau\u00dfen weit und breit;<br>18 er st\u00f6\u00dft ihn aus dem Licht in die Finsternis hinaus und verjagt ihn vom Erdenrund.<br>19 Nicht Spro\u00df noch Scho\u00df bleibt ihm in seinem Volk erhalten, und kein \u00dcberlebender findet sich in seinen Wohnsitzen.<br>20 Ob seinem Gerichtstage schaudern die im Westen Wohnenden, und die Leute im Osten erfa\u00dft Entsetzen.<br>21 Ja, so ergeht es den Wohnungen des Frevlers und so der St\u00e4tte des Gottesver\u00e4chters!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 19<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbWie lange wollt ihr mein Herz noch betr\u00fcben und mich mit Reden martern?<br>3 Schon zehnmal habt ihr mich geschm\u00e4ht; ihr sch\u00e4mt euch nicht, mir wehzutun!<br>4 Und h\u00e4tte ich mich wirklich verfehlt, so w\u00e4re doch meine Verfehlung meine eigene Sache.<br>5 Wollt ihr wirklich gegen mich gro\u00dftun, so erbringt mir den Beweis f\u00fcr das mich Besch\u00e4mende!<br>6 Erkennt doch, da\u00df Gott mir unrecht getan und mich mit seinem Fangnetz rings umgarnt hat!\u00ab<br>7 \u00bbSeht: schreie ich \u00fcber Gewalttat, so finde ich keine Erh\u00f6rung; rufe ich um Hilfe, so gibt es keinen Rechtsspruch.<br>8 Den Weg hat er mir vermauert, so da\u00df ich nicht weiterschreiten kann, und \u00fcber meine Pfade hat er Finsternis ausgebreitet.<br>9 Meiner Ehre hat er mich entkleidet und die Krone mir vom Haupte weggenommen.<br>10 Er hat mich niedergerissen um und um, so da\u00df es aus mit mir ist, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum.<br>11 Er hat seinen Zorn gegen mich lodern lassen und mich seinen Feinden gleichgeachtet.<br>12 Allzumal sind seine Kriegerscharen heranger\u00fcckt, haben sich einen Weg zum Angriff gegen mich aufgesch\u00fcttet und sich rings um mein Zelt her gelagert.<br>13 Meine Br\u00fcder haben sich fern von mir gehalten, und meine Bekannten sind mir ganz entfremdet;<br>14 meine Verwandten bleiben weg, und meine vertrauten Freunde haben mich vergessen;<br>15 meine Hausgenossen und selbst meine M\u00e4gde sehen in mir einen Fremden: ein Unbekannter bin ich in ihren Augen geworden.<br>16 Rufe ich meinen Knecht, so antwortet er mir nicht: ich mu\u00df ihn anflehen und ihm gute Worte geben.<br>17 Mein Atem ist meinem Weibe zuwider und mein \u00fcbler Geruch meinen leiblichen Br\u00fcdern.<br>18 Selbst die Buben mi\u00dfachten mich: mache ich (vergebliche) Versuche zum Aufstehen, so verspotten sie mich.<br>19 Allen meinen Vertrauten ekelt vor mir, und die ich liebgehabt habe, stehen mir feindlich gegen\u00fcber.<br>20 An meiner Haut und meinem Fleisch kleben meine Knochen, und von meinen Z\u00e4hnen habe ich nur die Haut \u00fcbrigbehalten.\u00ab<br>21 \u00bbHabt Mitleid, habt Mitleid mit mir, ihr meine Freunde! Denn Gottes Hand hat mich schwer getroffen.<br>22 Warum verfolgt ihr mich ebenso wie Gott und werdet nicht satt, mich zu zerfleischen?<br>23 O da\u00df doch meine Worte aufgeschrieben, o da\u00df sie in ein Buch eingetragen w\u00fcrden,<br>24 mit eisernem Griffel in Blei eingegraben, auf ewig in den Felsen eingehauen w\u00fcrden!<br>25 Ich aber, ich wei\u00df, da\u00df mein L\u00f6ser lebt und als letzter auf dem Staube auftreten wird;<br>26 und danach werde ich, mag jetzt auch meine Haut so ganz zerfetzt und ich meines Fleisches ledig sein, Gott schauen,<br>27 den ich schauen werde mir zum Heil und den meine Augen sehen werden, und zwar nicht mehr als einen Entfremdeten, ihn, um den sich mir das Herz in der Brust abgeh\u00e4rmt hat.<br>28 Wenn ihr aber sagt: \u203aWie wollen wir ihn verfolgen!\u2039 und \u203ader letzte Grund der Sache sei in mir selbst zu finden\u2039,<br>29 so f\u00fcrchtet euch vor dem Schwert \u2013 denn derartige Verschuldungen verdienen die Strafe des Schwertes \u2013, damit ihr erkennt, da\u00df es noch ein Gericht gibt!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 20<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Nun nahm Zophar von Naama das Wort und sagte:<br>2 \u00bbEben darum veranlassen meine Gedanken mich zu einer Antwort, und eben deswegen bin ich innerlich erregt:<br>3 eine mich beschimpfende Zurechtweisung mu\u00df ich h\u00f6ren! Doch der Geist gibt mir eine Antwort aus meiner Einsicht ein.\u00ab<br>4 \u00bbKennst du nicht die Wahrheit von alters her, seitdem der Mensch seinen Wohnsitz auf der Erde hat,<br>5 da\u00df das Frohlocken der Frevler von kurzer Dauer ist und die Freude der Ruchlosen nur einen Augenblick w\u00e4hrt?<br>6 Sollte auch sein D\u00fcnkel sich bis zum Himmel erheben und sein Haupt bis an die Wolken reichen,<br>7 so vergeht er doch wie sein Unrat f\u00fcr immer, und die ihn gekannt haben, werden fragen: \u203aWo ist er geblieben?\u2039<br>8 Wie ein Traum verfliegt er, so da\u00df man ihn nicht mehr findet, und er wird hinweggescheucht wie ein Nachtgesicht:<br>9 das Auge, das ihn gesehen, erblickt ihn nimmer wieder, und seine St\u00e4tte gewahrt ihn nicht mehr.<br>10 Seine S\u00f6hne m\u00fcssen die (durch ihn) Verarmten mit Bitten beschwichtigen und seine eigenen H\u00e4nde sein Verm\u00f6gen wieder herausgeben.<br>11 M\u00f6gen auch seine Glieder von Jugendkraft strotzen: sie mu\u00df sich doch mit ihm in den Staub legen.<br>12 Mag das B\u00f6se auch seinem Munde s\u00fc\u00df schmecken, so da\u00df er es lange unter seiner Zunge birgt,<br>13 da\u00df er es schonend hegt und es nicht fahren lassen will, sondern es an seinem Gaumen zur\u00fcckh\u00e4lt,<br>14 so verwandelt sich doch seine Speise in seinen Eingeweiden: zu Otterngalle wird sie in seinem Leibe.<br>15 Den Reichtum, den er verschlungen hat, mu\u00df er wieder ausspeien: aus seinem Bauche treibt Gott ihn wieder heraus.<br>16 Otterngift hat er eingesogen: nun gibt ihm die Zunge der Viper den Tod.<br>17 Nicht darf er seine Lust mehr sehen an den B\u00e4chen, an den wogenden Str\u00f6men von Honig und Sahne.<br>18 Das Erraffte mu\u00df er wieder herausgeben, ohne es verschlucken zu k\u00f6nnen; wieviel Gut er auch erworben hat, er darf nicht frohlocken.<br>19 Denn er hat die Armen niedergeschlagen und hilflos verkommen lassen, hat H\u00e4user an sich gerissen, wird sie aber nicht h\u00e4uslich einrichten d\u00fcrfen;<br>20 denn er kannte keine Befriedigung in seiner Gier: darum wird er auch von seinen Kostbarkeiten nichts davonbringen.<br>21 Nichts entging seinem Fressen: darum hat sein Wohlstand keine Dauer.<br>22 In der F\u00fclle seines \u00dcberflusses wird ihm enge: die ganze Gewalt des Unheils kommt \u00fcber ihn.<br>23 Da entfesselt Gott dann, um ihm den Bauch zu f\u00fcllen, seine Zornesglut gegen ihn und l\u00e4\u00dft sie als seine Speise auf ihn regnen.<br>24 Flieht er vor der eisernen R\u00fcstung, so durchbohrt ihn der eherne Bogen;<br>25 er zieht den Pfeil heraus, da f\u00e4hrt\u2019s aus seinem R\u00fccken hervor: ein Blutstrahl schie\u00dft aus seiner Galle, Todesschrecken brechen \u00fcber ihn herein.<br>26 Alles Unheil ist seinen Sch\u00e4tzen aufgespart: ein Feuer, das nicht (von Menschen) angefacht ist, fri\u00dft sie und verzehrt, was in seinem Zelt noch \u00fcbriggeblieben ist.<br>27 Der Himmel deckt S\u00fcndenschuld auf, und die Erde erhebt sich gegen ihn.<br>28 Was in seinem Hause zusammengescharrt liegt, wird weggeschleppt, zerrinnt (wie Wasser) am Tage des g\u00f6ttlichen Zorngerichts.<br>29 Das ist des ruchlosen Menschen Teil von seiten Gottes und das vom Allherrn ihm zugesprochene Erbe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 21<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Darauf antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbH\u00f6rt, o h\u00f6ret an, was ich zu sagen habe! Das soll mir eure Tr\u00f6stungen ersetzen!<br>3 Erlaubt mir, da\u00df ich rede, und nachdem ich gesprochen habe, magst du es besp\u00f6tteln!<br>4 Richtet sich meine Klage etwa gegen Menschen? Oder warum sollte ich nicht ungeduldig werden?<br>5 Wendet euch her zu mir, so werdet ihr euch entsetzen und euch die Hand auf den Mund legen!<br>6 Wenn ich blo\u00df daran denke, gerate ich in Best\u00fcrzung, und ein Schauder \u00fcberl\u00e4uft meinen Leib!\u00ab<br>7 \u00bbWarum bleiben die Frevler am Leben, werden alt, nehmen sogar an Kraft zu?<br>8 Ihr Nachwuchs steht bei fester Gesundheit vor ihnen, ja neben ihnen, und deren Spr\u00f6\u00dflinge vor ihren Augen.<br>9 Ihre H\u00e4user stehen ungef\u00e4hrdet da, ohne Furcht vor Schrecknis, und Gottes Zuchtrute f\u00e4hrt nicht auf sie nieder.<br>10 Sein Stier belegt und befruchtet sicher, seine Kuh kalbt leicht und tut keine Fehlgeburt.<br>11 Ihre Buben lassen sie wie eine Herde L\u00e4mmer ausziehen, und ihre kleineren Kinder h\u00fcpfen tanzend umher;<br>12 sie singen laut zur Pauke und Zither und sind vergn\u00fcgt beim Klang der Schalmei.<br>13 Sie verbringen im Wohlergehen ihre Tage und fahren in Ruhe zum Totenreich hinab.<br>14 Und doch haben sie zu Gott gesagt: \u203aBleibe fern von uns; denn nach der Erkenntnis deiner Wege tragen wir kein Verlangen.<br>15 Was ist der Allm\u00e4chtige, da\u00df wir ihm dienen sollten? Und k\u00f6nnte es uns n\u00fctzen, da\u00df wir ihn mit Bitten angehen?\u2039\u00ab<br>16 \u00bbSeht, ihr Wohlergehen liegt allerdings nicht in ihrer Hand \u2013 die Denkweise der Frevler steht mir fern! \u2013,<br>17 aber wie oft kommt es denn vor, da\u00df die Leuchte der Frevler erlischt und ihr Verderben \u00fcber sie hereinbricht? Da\u00df Gott ihnen die Lose gem\u00e4\u00df seinem Zorn zuteilt?<br>18 Da\u00df es ihnen ergeht wie dem Strohhalm vor dem Wind und wie der Spreu, die der Sturm entf\u00fchrt hat?<br>19 \u203aGott spart\u2039, sagt ihr, \u203asein Unheil f\u00fcr die Kinder des Frevlers auf\u2039 \u2013 doch ihm selber sollte er vergelten, da\u00df er es f\u00fchlte!<br>20 Sehen m\u00fc\u00dften seine eigenen Augen das Verderben, und er selbst sollte von der Zornglut des Allm\u00e4chtigen trinken!<br>21 Denn was wird er sich noch um seine Familie nach seinem Tode k\u00fcmmern, nachdem die Zahl seiner Monde abgeschnitten ist?<br>22 Doch \u2013 darf man Gott Erkenntnis lehren, ihn, der die himmlischen (Geister) richtet?<br>23 Der eine stirbt im Vollbesitz des Gl\u00fccks, ganz sorgenfrei und in Ruhe:<br>24 seine Kufen sind mit Milch gef\u00fcllt, und so ist das Mark in seinen Knochen wohlversorgt;<br>25 der andere aber stirbt in bitterem Herzeleid, ohne je vom Gl\u00fcck etwas geschmeckt zu haben:<br>26 gleicherweise liegen sie in der Erde, und Gew\u00fcrm legt sich als Decke \u00fcber beide.\u00ab<br>27 \u00bbSeht, ich kenne eure Gedanken wohl und die Anschl\u00e4ge, mit denen ihr mir Gewalt antut.<br>28 Wenn ihr sagt: \u203aWo ist das Haus des Gewaltmenschen geblieben und wo das Zelt, in welchem die Frevler wohnten?\u2039 \u2013<br>29 habt ihr euch denn noch nie bei den weitgereisten Leuten erkundigt, deren beweiskr\u00e4ftige Aussagen ihr doch nicht verwerfen k\u00f6nnt:<br>30 da\u00df am Ungl\u00fcckstage der B\u00f6se verschont bleibt und am Tage des (g\u00f6ttlichen) Zorngerichts heil davonkommt?<br>31 Wer h\u00e4lt ihm auch nur seinen Lebenswandel unverhohlen vor? Und hat er etwas ver\u00fcbt, wer vergilt es ihm?<br>32 Nein, man gibt ihm noch das feierliche Geleit zur Gr\u00e4berst\u00e4tte und h\u00e4lt \u00fcber seinem Grabh\u00fcgel noch Wache.<br>33 Sanft liegen auf ihm die Schollen des Tales, und hinter ihm her zieht alle Welt, wie Unz\u00e4hlige ihm vorangegangen sind.<br>34 Wie m\u00f6gt ihr mir da so nichtigen Trost bieten? Und eure Entgegnungen \u2013 von denen bleibt nur Treubruch \u00fcbrig!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 22<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IV. Dritter Gespr\u00e4chsgang (Kap. 22-26)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Da nahm Eliphas von Theman das Wort und sagte:<br>2 \u00bbKann wohl ein Mensch Gott Nutzen schaffen? Nein, nur sich selbst n\u00fctzt der Fromme.<br>3 Hat der Allm\u00e4chtige Vorteil davon, wenn du rechtschaffen bist? Oder bringt es ihm Gewinn, wenn du unstr\u00e4flich wandelst?<br>4 Meinst du, wegen deiner Gottesfurcht strafe er dich und gehe deshalb mit dir ins Gericht?<br>5 Ist nicht vielmehr deine Bosheit gro\u00df, und sind nicht deine Verschuldungen ohne Ende?\u00ab<br>6 \u00bbDenn oftmals hast du deine Volksgenossen ohne Grund gepf\u00e4ndet und den Halbnackten ihre Kleider ausziehen lassen;<br>7 dem vor Durst Lechzenden hast du keinen Trunk Wasser gereicht und dem Hungrigen ein St\u00fcck Brot versagt.<br>8 Dem Manne der Faust \u2013 ihm geh\u00f6rte das Land, und nur die Hochangesehenen durften darin wohnen.<br>9 Witwen lie\u00dfest du mit leeren H\u00e4nden gehen, und alles, was den Waisen zu Gebote stand, wurde zugrunde gerichtet.<br>10 Darum bist du jetzt rings von Schlingen umgeben, und j\u00e4her Schrecken versetzt dich in Angst;<br>11 dein Licht ist Finsternis geworden, so da\u00df du nicht sehen kannst, und eine Wasserflut bedeckt dich.\u00ab<br>12 \u00bbIst Gott nicht so hoch wie der Himmel? Und schaue den Gipfel der Sterne an, wie hoch sie ragen!<br>13 Und da sagst du: \u203aWas wei\u00df denn Gott? Kann er durch Wolkendunkel hindurch Gericht halten?<br>14 Dichte Wolken sind ihm eine H\u00fclle, so da\u00df er nichts sehen kann, und nur die R\u00e4ume des Himmelsgew\u00f6lbes durchwandelt er.\u2039<br>15 Willst du die Bahn der Vorwelt innehalten, auf der die M\u00e4nner des Frevels einst gewandelt sind?<br>16 Sie, die vor der Zeit weggerafft wurden \u2013 der feste Boden unter ihnen zerflo\u00df zu einem Strom \u2013;<br>17 die zu Gott sagten: \u203aBleibe fern von uns!\u2039 und \u203awas der Allm\u00e4chtige ihnen antun k\u00f6nne?\u2039<br>18 Und doch hatte er ihre H\u00e4user mit Segen gef\u00fcllt. Aber die Denkweise der Frevler bleibe fern von mir!<br>19 Die Gerechten sehen es und freuen sich, und der Schuldlose ruft ihnen spottend zu:<br>20 \u203aF\u00fcrwahr, unsere Widersacher sind vernichtet, und ihre Hinterlassenschaft hat das Feuer verzehrt!\u2039\u00ab<br>21 \u00bbBefreunde dich doch mit Gott und halte Frieden mit ihm! Dadurch wird dein Geschick sich heilsam gestalten.<br>22 Nimm doch Belehrung aus seinem Munde an und la\u00df seine Worte in deinem Herzen wohnen!<br>23 Wenn du dich zum Allm\u00e4chtigen bekehrst, so wirst du wieder aufgebaut werden; wenn du die S\u00fcnde aus deinen Zelten entfernst \u2013<br>24 ja, wirf das Golderz von dir in den Staub und Ophirs Gold unter die Kiesel der B\u00e4che,<br>25 da\u00df der Allm\u00e4chtige dein Golderz ist und Silber dir sein Gesetz \u2013:<br>26 ja, dann wirst du dich auf den Allm\u00e4chtigen getrost verlassen und zu Gott dein Angesicht vertrauensvoll erheben.<br>27 Flehst du zu ihm, so wird er dich erh\u00f6ren, und deine Gel\u00fcbde wirst du bezahlen k\u00f6nnen;<br>28 nimmst du dir etwas vor, so wird es dir gelingen, und Licht wird \u00fcber deinen Wegen strahlen.<br>29 Wenn sie abw\u00e4rts f\u00fchren, so rufst du: \u203aEmpor!\u2039, und dem Niedergeschlagenen hilft er auf.<br>30 Selbst den Nichtschuldlosen wird er entkommen lassen, und zwar wird er durch die Reinheit deiner H\u00e4nde entkommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 23<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbAuch jetzt noch gilt meine Klage euch als Trotz: schwer lastet seine Hand auf meinem Seufzen.<br>3 O da\u00df ich ihn zu finden w\u00fc\u00dfte, da\u00df ich gelangen k\u00f6nnte bis zu seiner Wohnst\u00e4tte!<br>4 Ich wollte meine Sache vor ihm darlegen und meinen Mund mit Beweisgr\u00fcnden f\u00fcllen;<br>5 ich erf\u00fchre dann, was er mir entgegnete, und w\u00fcrde vernehmen, was er mir zu sagen hat.<br>6 W\u00fcrde er dann wohl mit der ganzen F\u00fclle seiner Macht mit mir streiten? Nein, nur seine Aufmerksamkeit w\u00fcrde er mir zuwenden.<br>7 Da w\u00fcrde sich dann ein Rechtschaffener vor ihm verantworten, und f\u00fcr immer w\u00fcrde ich von meinem Richter freikommen.<br>8 Doch ach! Gehe ich nach Osten, so ist er nicht da, und gehe ich nach Westen, so gewahre ich ihn nicht;<br>9 wirkt er im Norden, so erblicke ich ihn nicht, biegt er nach S\u00fcden ab, so sehe ich ihn nicht.<br>10 Er kennt ja doch den von mir eingehaltenen Weg, und pr\u00fcfte er mich \u2013 wie Gold aus der Schmelze w\u00fcrde ich hervorgehen!<br>11 Denn an seine Spur hat mein Fu\u00df sich angeschlossen; den von ihm gewiesenen Weg habe ich eingehalten, ohne davon abzuweichen;<br>12 von dem Gebot seiner Lippen bin ich nicht abgegangen: in meinem Busen habe ich die Weisungen seines Mundes geborgen.<br>13 Doch er bleibt sich immer gleich \u2013 wer kann ihm wehren? und was sein Sinn einmal will, das f\u00fchrt er auch aus.<br>14 So wird er denn auch vollf\u00fchren, was er mir bestimmt hat, und dergleichen hat er noch vieles im Sinn.<br>15 Darum bebe ich vor seinem Anblick: \u00fcberdenke ich\u2019s, so graut mir vor ihm!<br>16 Ja, Gott hat mein Herz verzagt gemacht und der Allm\u00e4chtige mich mit Angst erf\u00fcllt;<br>17 denn nicht wegen Finsternis f\u00fchle ich mich vernichtet und nicht wegen meiner Person, die er mit Dunkel umh\u00fcllt hat.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 24<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbWarum sind vom Allm\u00e4chtigen nicht Zeiten f\u00fcr Strafgerichte vorgesehen worden, und warum bekommen seine Getreuen nicht seine Gerichtstage zu sehen?<br>2 Man verr\u00fcckt die Grenzsteine, raubt Herden samt den Hirten;<br>3 den Esel der Verwaisten treibt man weg, nimmt die Kuh der Witwe als Pfand;<br>4 die Armen dr\u00e4ngt man vom Wege ab; allesamt m\u00fcssen die Elenden des Landes sich verkriechen.<br>5 Seht nur! Wie Wildesel in der W\u00fcste ziehen sie fr\u00fch zu ihrem Tagewerk aus, nach Beute aussp\u00e4hend; die Steppe liefert ihnen Brot f\u00fcr die Kinder;<br>6 auf dem Felde des Gottlosen m\u00fcssen sie den Sauerampfer abernten und Nachlese in seinem Weinberge halten;<br>7 nackt bringen sie die Nacht zu, ohne Gewand, und haben keine Decke in der K\u00e4lte.<br>8 Von den Regeng\u00fcssen der Berge triefen sie und schmiegen sich obdachlos an die Felsen.<br>9 Man rei\u00dft die Waise von der Mutterbrust weg, und was der Elende an hat, nimmt man zum Pfande.<br>10 Nackt gehen sie einher, ohne Kleidung, und hungernd schleppen sie Garben (im Dienst der Reichen);<br>11 innerhalb der Mauern der Gottlosen pressen sie \u00d6l, treten die Keltern und leiden Durst dabei.<br>12 Aus den St\u00e4dten heraus lassen Sterbende ihr \u00c4chzen h\u00f6ren, und die Seele von Erschlagenen schreit um Rache; aber Gott rechnet es nicht als Ungeb\u00fchr an!<br>13 Andere (Gottlose) geh\u00f6ren zu den Feinden des Tageslichts: sie wollen von Gottes Wegen nichts wissen und bleiben nicht auf seinen Pfaden.<br>14 Ehe es hell wird, steht der M\u00f6rder auf, t\u00f6tet den Elenden und Armen; und in der Nacht treibt der Dieb sein Wesen.<br>15 Das Auge des Ehebrechers aber lauert auf die Abendd\u00e4mmerung, indem er denkt: \u203aKein Auge soll mich erblicken!\u2039, und er legt sich eine H\u00fclle vors Gesicht.<br>16 In der Finsternis bricht man in die H\u00e4user ein, bei Tage halten sie sich eingeschlossen: sie wollen vom Licht nichts wissen.<br>17 Denn als Morgenlicht gilt ihnen allesamt tiefe Nacht, weil sie mit den Schrecknissen der tiefen Nacht wohlvertraut sind.<br>18 Im Fluge f\u00e4hrt er \u00fcber die Wasserfl\u00e4che dahin; mit dem Fluch wird ihr Erbteil im Lande belegt; er schl\u00e4gt nicht mehr den Weg zu den Weinbergen ein.<br>19 Wie D\u00fcrre und Sonnenglut die Schneewasser wegraffen, ebenso das Totenreich die, welche ges\u00fcndigt haben.<br>20 Selbst der Mutterscho\u00df vergi\u00dft ihn, das Gew\u00fcrm labt sich an ihm; nicht mehr wird seiner gedacht, und wie ein Baum wird der Frevler abgehauen,<br>21 er, der die einsam dastehende, kinderlose Frau ausgepl\u00fcndert und keiner Witwe Gutes getan hat.<br>22 Ebenso erh\u00e4lt Gott Gewaltt\u00e4tige lange Zeit durch seine Kraft: mancher steht wieder auf, der schon am Leben verzweifelte.<br>23 Er verleiht ihm Sicherheit, so da\u00df er gest\u00fctzt dasteht, und seine Augen wachen \u00fcber ihren Wegen.<br>24 Wenn sie hoch gestiegen sind \u2013 ein Augenblick nur, so sind sie nicht mehr da; sie sinken hin, werden hinweggerafft wie alle anderen auch; wie eine \u00c4hrenspitze werden sie abgeschnitten.<br>25 Ist\u2019s etwa nicht so? Wer will mich L\u00fcgen strafen und meine Rede als nichtig erweisen?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 25<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da nahm Bildad von Suah das Wort und sagte:<br>2 \u00bbHerrschergewalt und Schrecken sind bei ihm, der da Frieden schafft in seinen H\u00f6hen.<br>3 Sind seine Heerscharen zu z\u00e4hlen? Und wo ist einer, \u00fcber den sein Licht sich nicht erh\u00f6be?<br>4 Wie k\u00f6nnte da ein Mensch recht behalten Gott gegen\u00fcber und wie ein vom Weibe Geborener neben ihm rein erscheinen?<br>5 Bedenke nur: sogar der Mond ist nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen \u2013<br>6 wieviel weniger der Sterbliche, die Made, und der Menschensohn, der Wurm!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 26<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbWie hast du doch dem Schwachen beigestanden und den kraftlosen Arm gest\u00fctzt!<br>3 Wie gut hast du doch den Unweisen beraten und tiefes Wissen in F\u00fclle kundgetan!<br>4 Wem hast du einen Lehrvortrag gehalten, und wessen Odem ist dir entstr\u00f6mt?\u00ab<br>5 \u00bbDie Schatten erzittern (vor Gott) tief unter den Wassern und deren Bewohnern;<br>6 nackt liegt das Totenreich vor ihm da und unverh\u00fcllt der Abgrund.<br>7 Er spannt den Norden (der Erde) \u00fcber der Leere aus, h\u00e4ngt die Erde an dem Nichts auf.<br>8 Er bindet die Wasser in seine Wolken ein, ohne da\u00df das Gew\u00f6lk unter ihrer Last zerplatzt.<br>9 Er verh\u00fcllt den Anblick seines Thrones, indem er sein Gew\u00f6lk \u00fcber ihn ausbreitet.<br>10 Eine Grenzlinie hat er \u00fcber den weiten Wassern abgezirkelt bis zur \u00e4u\u00dfersten Grenze, wo das Licht mit der Finsternis zusammentrifft.<br>11 Die S\u00e4ulen des Himmels geraten ins Wanken und beben infolge seines Scheltens.<br>12 Durch seine Kraft beruhigt er das Meer, und durch seine Klugheit hat er Rahab zerschmettert.<br>13 Durch seinen Hauch gewinnt der Himmel Heiterkeit; durchbohrt hat seine Hand den fl\u00fcchtigen Drachen.<br>14 Siehe, das sind nur die S\u00e4ume seines Waltens, und welch ein leises Fl\u00fcstern nur ist es, das wir von ihm vernehmen! Doch die Donnersprache seiner Machterweise \u2013 wer versteht diese?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 27<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">V. Hiobs Schlu\u00dfrede an seine Freunde (Kap. 27-28)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Hierauf fuhr Hiob nochmals in seiner Rede so fort:<br>2 \u00bbSo wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der Allm\u00e4chtige, der mich in Verzweiflung gest\u00fcrzt hat:<br>3 Solange irgend noch mein Lebensodem in mir ist und Gottes Hauch in meiner Nase \u2013<br>4 nie sollen meine Lippen eine Unwahrheit reden und meine Zunge eine T\u00e4uschung aussprechen!<br>5 Fern sei es also von mir, euch recht zu geben, nein, bis zum letzten Atemzuge verleugne ich meine Unschuld nicht!<br>6 An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht fahren: mein Gewissen straft mich wegen keines einzigen meiner Lebenstage!\u00ab<br>7 \u00bbWie dem Frevler m\u00f6ge es meinem Feinde ergehen und meinem Widersacher wie dem B\u00f6sewicht!<br>8 Denn welche Hoffnung hat der Ruchlose noch, wenn Gott seinen Lebensfaden abschneidet, wenn er ihm seine Seele abfordert?<br>9 Wird Gott wohl sein Schreien h\u00f6ren, wenn Drangsal \u00fcber ihn hereinbricht?<br>10 Oder darf er auf den Allm\u00e4chtigen sich getrost verlassen, Gott anrufen zu jeder Zeit?\u00ab<br>11 \u00bbIch will euch \u00fcber Gottes Tun belehren und, wie der Allm\u00e4chtige es h\u00e4lt, euch nicht verhehlen.<br>12 Seht doch, ihr alle habt euch selbst davon \u00fcberzeugt: warum seid ihr gleichwohl in so eitlem Wahn befangen?<br>13 Dies ist das Teil des frevelhaften Menschen bei Gott und das Erbe der Gewaltt\u00e4tigen, das sie vom Allm\u00e4chtigen empfangen:<br>14 Wenn seine Kinder gro\u00df werden, so ist\u2019s f\u00fcr das Schwert, und seine Spr\u00f6\u00dflinge haben nicht satt zu essen.<br>15 Wer ihm dann von den Seinen noch \u00fcbrigbleibt, wird durch die Pest ins Grab gebracht, und ihre Witwen stellen nicht einmal eine Totenklage an.<br>16 Wenn er Geld aufh\u00e4uft wie Staub und Gew\u00e4nder ansammelt wie Gassenschmutz:<br>17 er sammelt sie wohl, aber ein Gerechter bekleidet sich mit ihnen, und das Geld wird ein Schuldloser in Besitz nehmen.<br>18 Er hat sein Haus gebaut wie ein Spinngewebe und wie eine H\u00fctte, die ein Feldh\u00fcter sich aufschl\u00e4gt:<br>19 als reicher Mann legt er sich schlafen, ohne da\u00df es schon weggerafft w\u00e4re \u2013 schl\u00e4gt er die Augen auf, so ist nichts mehr da;<br>20 Schrecknisse \u00fcberfallen ihn bei Tage, bei Nacht rafft der Sturmwind ihn hinweg;<br>21 der Ostwind hebt ihn empor, so da\u00df er dahinf\u00e4hrt, und st\u00fcrmt ihn hinweg von seiner St\u00e4tte.<br>22 Gott schleudert seine Geschosse erbarmungslos auf ihn; seiner Hand m\u00f6chte er um jeden Preis entfliehen.<br>23 Man klatscht \u00fcber ihn in die H\u00e4nde, und Zischen folgt ihm nach von seiner Wohnst\u00e4tte her.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 28<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alle Sch\u00e4tze, auch die in den Tiefen der Erde verborgenen, wei\u00df der Mensch zu finden und sich zu eigen zu machen<\/h3>\n\n\n\n<p>1 \u00bbDenn wohl gibt es f\u00fcr das Silber einen Fundort und eine St\u00e4tte f\u00fcr das Golderz, wo man es ausw\u00e4scht.<br>2 Eisen wird aus der Erde herausgeholt, und Gestein schmelzt man zu Kupfer um.<br>3 Der Finsternis hat (der Mensch) ein Ziel gesetzt, und bis in die \u00e4u\u00dfersten Tiefen durchforscht das in Nacht und Grauen verborgene Gestein.<br>4 Man bricht einen Stollen fern von den im Licht Wohnenden; vergessen und fern vom Fu\u00df der \u00fcber ihnen Hinschreitenden hangen sie da (an Seilen), fern von den Menschen schweben sie.<br>5 Die Erde, aus welcher Brotkorn hervorw\u00e4chst, wird in der Tiefe umgew\u00fchlt wie mit Feuer.<br>6 Man findet Saphir im Gestein und Staub, darin Gold ist.<br>7 Den Pfad dorthin kennt der Adler nicht, und das Auge des Falken hat ihn nicht ersp\u00e4ht;<br>8 nicht betreten ihn die stolzen Raubtiere, noch schreitet der Leu auf ihm einher.<br>9 An das harte Gestein legt (der Mensch) seine Hand, w\u00fchlt die Berge um von der Wurzel aus;<br>10 in die Felsen bricht er Sch\u00e4chte, und allerlei Kostbares erblickt sein Auge.<br>11 Die Wasseradern verbaut er, da\u00df sie nicht durchsickern, und zieht so die verborgenen Sch\u00e4tze ans Licht hervor.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Aber die Weisheit, das kostbarste Gut, ist in der ganzen Sch\u00f6pfung nirgends zu finden<\/h3>\n\n\n\n<p>12 \u00bbDie Weisheit aber \u2013 wo findet man diese? und wo ist die Fundst\u00e4tte der Erkenntnis?<br>13 Kein Mensch kennt den Weg zu ihr, und im Lande der Lebendigen ist sie nicht zu finden.<br>14 Die Flut der Tiefe sagt: \u203aIn mir ist sie nicht\u2039; und das Meer erkl\u00e4rt: \u203aBei mir weilt sie nicht\u2039.<br>15 F\u00fcr gel\u00e4utertes Gold ist sie nicht feil, und Silber kann nicht als Kaufpreis f\u00fcr sie dargewogen werden;<br>16 sie l\u00e4\u00dft sich nicht aufw\u00e4gen mit Feingold von Ophir, mit kostbarem Onyx und Saphir.<br>17 Gold und Prachtglas kann man ihr nicht gleichstellen, noch sie eintauschen gegen Kunstwerke von gediegenem Gold;<br>18 Korallen und Kristall kommen (neben ihr) nicht in Betracht, und der Besitz der Weisheit ist mehr wert als Perlen.<br>19 \u00c4thiopiens Topas reicht nicht an sie heran, mit reinstem Feingold wird sie nicht aufgewogen.<br>20 Die Weisheit also \u2013 woher kommt sie, und wo ist die Fundst\u00e4tte der Erkenntnis?<br>21 Verborgen ist sie vor den Augen aller lebenden Wesen und verh\u00fcllt sogar vor den V\u00f6geln des Himmels.<br>22 Die Unterwelt und das Totenreich sagen von ihr: \u203aNur ein Ger\u00fccht von ihr ist uns zu Ohren gedrungen.\u2039\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gott allein besitzt die Weisheit und hat sie in der Sch\u00f6pfung der Welt bet\u00e4tigt; der Mensch kann sie nur als Gottesfurcht besitzen<\/h3>\n\n\n\n<p>23 \u00bbGott hat den Weg zu ihr (allein) erschaut, und er kennt ihre Fundst\u00e4tte;<br>24 denn er blickt bis zu den Enden der Erde und sieht, was unter dem ganzen Himmel ist.<br>25 Als er dem Winde seine Wucht bestimmte und die Wasser mit dem Ma\u00df abwog,<br>26 als er dem Regen sein Gesetz vorschrieb und dem Wetterstrahl die Bahn anwies:<br>27 da sah er sie und bet\u00e4tigte sie, setzte sie ein und erforschte sie auch.<br>28 Zu dem Menschen aber sprach er: \u203aWisse wohl: die Furcht vor dem Allherrn \u2013 das ist Weisheit, und das B\u00f6se meiden \u2013 das ist Verstand!\u2039\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 29<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VI. Hiobs Selbstgespr\u00e4ch (Kap. 29-31)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Hierauf fuhr Hiob in seiner Rede so fort:<br>2 \u00bbO da\u00df es mit mir noch so st\u00e4nde wie in den fr\u00fcheren Monden, wie in den Tagen, wo Gott mich beh\u00fctete, \u2013<br>3 als seine Leuchte noch \u00fcber meinem Haupte strahlte und ich in seinem Licht durch das Dunkel wandelte,<br>4 so, wie es mit mir in den Tagen meines Herbstes stand, als Gottes Freundschaft \u00fcber meinem Zelt waltete,<br>5 als der Allm\u00e4chtige noch auf meiner Seite stand, meine S\u00f6hne noch rings um mich her waren,<br>6 als meiner F\u00fc\u00dfe Tritte sich in Milch badeten und jeder Fels neben mir B\u00e4che von \u00d6l flie\u00dfen lie\u00df!\u00ab<br>7 \u00bbWenn ich (damals) hinaufging zum Tor der Stadt und meinen Stuhl auf dem Marktplatz aufstellte,<br>8 da traten die jungen M\u00e4nner zur\u00fcck, sobald sie mich sahen, und die Greise erhoben sich und blieben stehen;<br>9 die F\u00fcrsten hielten an sich mit ihrem Reden und legten die Hand auf ihren Mund;<br>10 die Stimme der Edlen verstummte, und die Zunge blieb ihnen am Gaumen kleben.<br>11 Denn wessen Ohr mich h\u00f6rte, der pries mich gl\u00fccklich, und jedes Auge, das mich sah, legte Zeugnis f\u00fcr mich ab;<br>12 denn ich rettete den Elenden, der um Hilfe schrie, und die Waise, die sonst keinen Helfer hatte.<br>13 Der Segensspruch dessen, der verloren schien, erscholl \u00fcber mich, und das Herz der Witwe machte ich jubeln.<br>14 In Gerechtigkeit kleidete ich mich, und sie war mein Ehrenkleid: wie ein Prachtgewand und Kopfbund schm\u00fcckte mich mein Rechttun.<br>15 F\u00fcr den Blinden war ich das Auge und f\u00fcr den Lahmen der Fu\u00df;<br>16 ein Vater war ich f\u00fcr die Armen, und der Rechtssache des mir Unbekannten nahm ich mich gewissenhaft an;<br>17 dem Frevler zerschmetterte ich das Gebi\u00df und ri\u00df ihm den Raub aus den Z\u00e4hnen.<br>18 So dachte ich denn: \u203aIm Besitz meines Nestes werde ich sterben und mein Leben werde ich lange wie der Ph\u00f6nix erhalten;<br>19 meine Wurzel wird am Wasser ausgebreitet liegen und der Tau auf meinen Zweigen n\u00e4chtigen;<br>20 mein Ansehen wird unver\u00e4ndert mir verbleiben und mein Bogen sich in meiner Hand stets verj\u00fcngen.\u2039<br>21 Mir h\u00f6rten sie zu und warteten auf mich und lauschten schweigend auf meinen Rat.<br>22 Wenn ich gesprochen hatte, nahm keiner nochmals das Wort, sondern meine Rede tr\u00e4ufelte auf sie herab.<br>23 Sie warteten auf meine Rede wie auf den Regen und sperrten den Mund nach mir auf wie nach Fr\u00fchlingsregen.<br>24 Ich l\u00e4chelte ihnen zu, wenn sie mutlos waren, und das heitere Antlitz vermochten sie mir nicht zu tr\u00fcben.<br>25 Sooft ich den Weg zu ihnen einschlug, sa\u00df ich als Haupt da und thronte wie ein K\u00f6nig in der Kriegerschar, wie einer, der Leidtragenden Trost spendet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 30<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbJetzt aber lachen \u00fcber mich auch solche, die j\u00fcnger an Jahren sind als ich, deren V\u00e4ter ich nicht gew\u00fcrdigt habe, sie neben den Wachhunden meines Kleinviehs anzustellen.<br>2 Wozu h\u00e4tte mir auch die Kraft ihrer H\u00e4nde n\u00fctzen k\u00f6nnen? Bei ihnen war ja die volle R\u00fcstigkeit verlorengegangen.<br>3 Durch Mangel und Hunger ersch\u00f6pft, nagen sie das d\u00fcrre Land ab, die unfruchtbare und \u00f6de Steppe;<br>4 sie pfl\u00fccken sich Melde am Buschwerk ab, und die Ginsterwurzel ist ihr Brot.<br>5 Aus der Gemeinde werden sie ausgesto\u00dfen: man schreit \u00fcber sie wie \u00fcber Diebe.<br>6 In schauerlichen Kl\u00fcften m\u00fcssen sie wohnen, in Erdl\u00f6chern und Felsh\u00f6hlen;<br>7 zwischen Str\u00e4uchern br\u00fcllen sie, unter Dorngestr\u00fcpp halten sie Zusammenk\u00fcnfte:<br>8 verworfenes und ehrloses Gesindel, das man aus dem Lande hinausgepeitscht hat.<br>9 Und jetzt bin ich ihr Spottlied geworden und diene ihrem Gerede zur Kurzweil.<br>10 Mit Abscheu halten sie sich fern von mir und scheuen sich nicht, vor mir auszuspeien;<br>11 weil Gott meine Bogensehne abgespannt und mich niedergebeugt hat, lassen sie den Z\u00fcgel vor mir schie\u00dfen.<br>12 Zu meiner Rechten erhebt sich die Brut; sie sto\u00dfen meine F\u00fc\u00dfe weg und sch\u00fctten ihre Unheilsstra\u00dfen gegen mich auf.<br>13 Meinen Pfad haben sie aufgerissen, auf meinen Sturz arbeiten sie hin, niemand tut ihnen Einhalt.<br>14 Wie durch einen breiten Mauerri\u00df kommen sie heran, durch die Tr\u00fcmmer w\u00e4lzen sie sich daher:<br>15 ein Schreckensheer hat sich gegen mich gekehrt; wie vom Sturmwind wird meine Ehre weggerafft, und wie eine Wolke ist mein Gl\u00fcck vor\u00fcbergezogen!\u00ab<br>16 \u00bbSo verblutet sich denn jetzt das Herz in mir: die Tage des Elends halten mich in ihrer Gewalt.<br>17 Die Nacht bohrt in meinen Gebeinen und l\u00f6st sie von mir ab, und die an mir nagenden Schmerzen schlafen nicht.<br>18 Durch Allgewalt ist mein Gewand entstellt: so eng wie mein Unterkleid umschlie\u00dft es mich.<br>19 Gott hat mich in den Kot geworfen, und ich bin (an Ansehen) dem Staub und der Asche gleichgestellt.<br>20 Schreie ich zu dir, so antwortest du mir nicht; trete ich vor dich hin, so achtest du nicht auf mich:<br>21 du hast dich mir in einen erbarmungslosen Feind verwandelt; mit deiner starken Hand bek\u00e4mpfst du mich.<br>22 Du hebst mich auf (die Fittiche) des Sturmwindes empor, l\u00e4\u00dft mich dahinfahren und im Sturmestosen vergehen.<br>23 Ja, ich wei\u00df es: in den Tod willst du mich heimf\u00fchren und in das Versammlungshaus aller Lebenden!\u00ab<br>24 \u00bbDoch streckt man nicht beim Ertrinken die Hand (nach Rettung) aus, und erhebt man beim Versinken nicht darob einen Hilferuf?<br>25 Habe ich denn nicht um den geweint, der harte Tage durchzumachen hatte, und ist mein Herz nicht um den Armen bek\u00fcmmert gewesen?<br>26 Ja, auf Gl\u00fcck habe ich gewartet, aber Unheil kam; und ich harrte auf Licht, aber es kam Finsternis.<br>27 Mein Inneres ist in Aufruhr ohne Unterla\u00df, Leidenstage haben mich \u00fcberfallen.<br>28 In Trauer gehe ich einher ohne Sonne; ich stehe in der versammelten Gemeinde auf und schreie;<br>29 den (heulenden) Schakalen bin ich ein Bruder geworden und den (klagenden) Strau\u00dfen ein Genosse.<br>30 Meine Haut l\u00f6st sich, schwarz geworden, von mir ab, und mein Gebein ist von Fieberglut ausged\u00f6rrt.<br>31 So ist denn mein Zitherspiel zum Trauerlied geworden und meine Schalmei zu T\u00f6nen der Klage!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 31<\/h2>\n\n\n\n<p>1 \u00bbMit meinen Augen habe ich einen Bund abgeschlossen, da\u00df ich ja nicht l\u00fcstern nach einer Jungfrau blickte.<br>2 Denn was w\u00e4re der Lohn Gottes von oben gewesen und die Vergeltung des Allm\u00e4chtigen aus Himmelsh\u00f6hen?<br>3 Trifft nicht Verderben den Frevler und Ungl\u00fcck die \u00dcberlt\u00e4ter?<br>4 Sieht er nicht meine Wege, und z\u00e4hlt er nicht alle meine Schritte?<br>5 Wenn ich mit Falschheit umgegangen bin und mein Fu\u00df jemals der T\u00e4uschung zugeeilt ist:<br>6 Gott w\u00e4ge mich auf gerechter Waage, so wird er meine Unschuld erkennen!<br>7 Wenn mein Schritt jemals vom rechten Wege abgewichen und mein Herz meinen Augen Folge geleistet hat und ein Flecken an meinen H\u00e4nden kleben geblieben ist,<br>8 so will ich s\u00e4en und ein anderer m\u00f6ge es verzehren, und alles, was mir spro\u00dft, m\u00f6ge ausgerissen werden!<br>9 Wenn mein Herz sich um eines Weibes willen hat bet\u00f6ren lassen und ich an der T\u00fcr meines N\u00e4chsten auf der Lauer gestanden habe,<br>10 so soll mein Weib f\u00fcr einen andern die M\u00fchle drehen und andere m\u00f6gen sich \u00fcber sie hinstrecken!<br>11 Denn das w\u00e4re eine Schandtat gewesen und das ein Vergehen f\u00fcr den Strafrichter;<br>12 ja, ein Feuer w\u00e4re das gewesen, das bis zum Abgrund gefressen und meinen gesamten Besitz bis auf die Wurzel h\u00e4tte vernichten m\u00fcssen.<br>13 Wenn ich das Recht meines Knechtes und meiner Magd mi\u00dfachtet h\u00e4tte, sooft sie im Streit mit mir lagen:<br>14 was h\u00e4tte ich da tun sollen, wenn Gott aufgestanden w\u00e4re? Und was h\u00e4tte ich ihm bei seiner Untersuchung erwidern k\u00f6nnen?<br>15 Hat nicht mein Sch\u00f6pfer auch ihn im Mutterleibe geschaffen und ein und derselbe uns im Mutterscho\u00dfe gebildet?<br>16 Wenn ich den Geringen ihr Begehren versagt und die Augen der Witwe habe schmachten lassen<br>17 und meinen Bissen f\u00fcr mich allein verzehrt habe, ohne da\u00df der Verwaiste sein Teil davon genossen hat \u2013<br>18 nein, von meiner Jugend an ist er mir ja wie einem Vater aufgewachsen, und von meiner Mutter Leibe an bin ich ein Besch\u00fctzer f\u00fcr jenen gewesen \u2013;<br>19 wenn ich jemand habe verkommen sehen aus Mangel an Kleidung und da\u00df ein Armer keine Schlafdecke hatte,<br>20 und dann seine H\u00fcften mich nicht gesegnet haben und er sich nicht durch meiner L\u00e4mmer Wolle erw\u00e4rmt hat;<br>21 wenn ich meine Faust jemals gegen eine Waise geschwungen habe, weil ich im Tor auf Beistand rechnen konnte:<br>22 so m\u00f6ge meine Schulter von ihrem Nacken fallen und mein Arm aus seiner R\u00f6hre ausgebrochen werden!<br>23 Denn als ein Schrecken w\u00e4re auf mich das Strafgericht Gottes eingedrungen, und vor seiner Erhabenheit h\u00e4tte ich nicht zu bestehen vermocht.<br>24 Wenn ich je auf Gold mein Vertrauen gesetzt und zum Feingold gesagt habe: \u203aDu bist meine Zuversicht!\u2039;<br>25 wenn ich mich dar\u00fcber gefreut habe, da\u00df mein Verm\u00f6gen gro\u00df war und da\u00df meine Hand Ansehnliches erworben hatte;<br>26 wenn ich die Sonne angeschaut habe, wie hell sie strahlt, und den Mond, wie er in Pracht dahinwandelt,<br>27 und mein Herz sich insgeheim hat bet\u00f6ren lassen, da\u00df ich ihnen eine Ku\u00dfhand zuwarf:<br>28 auch das w\u00e4re eine Verschuldung f\u00fcr den Strafrichter gewesen, denn damit h\u00e4tte ich Gott in der H\u00f6he die Treue gebrochen. \u2013<br>29 Wenn ich mich je \u00fcber das Ungl\u00fcck meines Feindes gefreut und dar\u00fcber gejubelt habe, da\u00df ein Mi\u00dfgeschick ihm zugesto\u00dfen war \u2013<br>30 nein, nie habe ich meiner Zunge zu s\u00fcndigen gestattet, da\u00df sie durch einen Fluch sein Leben gefordert h\u00e4tte \u2013<br>31 wenn meine Zeltgenossen nicht gesagt haben: \u203aWo ist einer, der vom Fleisch seines Schlachtviehs nicht satt geworden w\u00e4re?\u2039 \u2013;<br>32 nein, der Fremdling durfte nicht im Freien \u00fcbernachten, und meine T\u00fcr hielt ich dem Wanderer offen \u2013;<br>33 wenn ich meine \u00dcbertretungen, wie Menschen tun, verheimlicht habe, indem ich mein Vergehen in meinem Busen verbarg,<br>34 weil ich mich vor der gro\u00dfen Menge scheute und die Mi\u00dfachtung der Geschlechter mich schreckte, so da\u00df ich mich still verhielt, nicht vor die T\u00fcr hinaustrat;<br>35 \u00bbO h\u00e4tte ich doch einen, der mich anh\u00f6ren wollte! Siehe, hier ist meine Unterschrift! Der Allm\u00e4chtige antworte mir! Und h\u00e4tte ich doch die von meinem Gegner ausgefertigte Klageschrift!<br>36 Wahrlich, an meiner Schulter wollte ich sie zur Schau tragen, als Ehrenkranz sie mir um die Schl\u00e4fe winden!<br>37 Denn \u00fcber die Zahl meiner Schritte wollte ich ihm Rede stehen, wie zu einem F\u00fcrsten m\u00fc\u00dfte er herannahen!\u00ab [DieReden Hiobs sind zu Ende.]<br>38 wenn mein Acker je \u00fcber mich geschrien und seine Furchen allesamt geweint haben;<br>39 wenn ich seinen Ertrag ohne Zahlung verzehrt und seinen Besitzer ums Leben gebracht habe:<br>40 so sollen mir Disteln statt des Weizens aufgehen und Unkraut statt der Gerste!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 32<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VII. Die Reden Elihus (Kap. 32-37)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Als nun jene drei M\u00e4nner es aufgegeben hatten, dem Hiob (darauf) zu antworten, da\u00df er sich selbst f\u00fcr gerecht hielt,<br>2 da entbrannte der Zorn des Busiters Elihu, des Sohnes Barachels, aus dem Geschlechte Ram. Gegen Hiob war er in Zorn geraten, weil dieser Gott gegen\u00fcber im Recht zu sein behauptete;<br>3 und gegen dessen drei Freunde war er deshalb in Zorn geraten, weil sie nicht die (rechte) Antwort gefunden hatten, um Hiob als schuldig zu erweisen.<br>4 Elihu hatte aber mit einer Entgegnung an Hiob an sich gehalten, weil jene \u00e4lter an Jahren waren als er.<br>5 Als Elihu aber sah, da\u00df im Munde der drei M\u00e4nner keine Widerlegung sich fand, geriet er in Zorn.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Elihu begr\u00fcndet sein bisheriges Schweigen<\/h3>\n\n\n\n<p>6 So nahm denn der Busiter Elihu, der Sohn Barachels, das Wort und sagte: Noch jung bin ich an Tagen, und ihr seid Greise; darum habe ich mich gescheut und an mich gehalten, euch mein Wissen kundzutun.<br>7 Ich dachte: \u203aDas Alter mag reden und die Menge der Jahre Weisheit an den Tag legen!\u2039<br>8 Jedoch der Geist ist es in den Menschen und der Hauch des Allm\u00e4chtigen, der ihnen Einsicht verleiht.<br>9 Nicht die Bejahrten sind die weisesten, und nicht die Greise (an sich) verstehen sich auf das, was Recht ist.<br>10 Darum sage ich: \u203aH\u00f6rt mir zu! La\u00dft auch mich mein Wissen euch kundtun.\u2039<br>11 Seht, ich habe auf eure Reden geharrt, habe nach einsichtigen Darlegungen von euch hingehorcht, bis ihr die rechten Worte ausfindig machen w\u00fcrdet,<br>12 ja, ich habe aufmerksam auf euch achtgegeben; doch seht: keiner hat Hiob widerlegt, keiner von euch auf seine Reden die (rechte) Antwort gegeben.<br>13 Wendet nur nicht ein: \u203aWir sind (bei ihm) auf Weisheit gesto\u00dfen: nur Gott kann ihn aus dem Felde schlagen, nicht ein Mensch!\u2039<br>14 Gegen mich hat er ja noch keine Beweisgr\u00fcnde ins Treffen gef\u00fchrt, und nicht mit euren Reden werde ich ihm entgegentreten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Elihu erkl\u00e4rt, da\u00df sein Geist sich zur unparteiischen Kundgebung seiner Einsicht getrieben f\u00fchle<\/h3>\n\n\n\n<p>15 \u00bbBest\u00fcrzt stehen sie da, finden keine Antwort mehr; die Worte sind ihnen ausgegangen!<br>16 Und da sollte ich warten, weil sie nicht mehr reden, weil sie dastehen, ohne zu antworten?<br>17 Nein, auch ich will mein Teil erwidern, auch ich will mein Wissen kundtun!<br>18 Denn voll bin ich von Worten; der Geist dr\u00e4ngt und beengt mich in meinem Inneren, zu reden.<br>19 Seht, meiner Brust geht es wie dem Wein, dem man nicht Luft schafft: sie droht zu bersten wie neugef\u00fcllte Schl\u00e4uche.<br>20 Reden will ich, um mir Luft zu schaffen, will meine Lippen auftun und entgegnen!<br>21 Ich will dabei f\u00fcr niemand Partei nehmen und keinem Menschen zu Gefallen reden;<br>22 denn ich verstehe mich nicht darauf, zu Gefallen zu reden: gar bald w\u00fcrde mein Sch\u00f6pfer mich sonst hinwegraffen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 33<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Elihus freundliche Anrede und Aufforderung an Hiob zur Stellungnahme<\/h3>\n\n\n\n<p>1 \u00bbNun aber h\u00f6re, Hiob, meine Reden und leihe dein Ohr allen meinen Worten!<br>2 Wisse wohl: wenn ich meinen Mund jetzt auftue und meine Zunge sich vernehmlich h\u00f6ren l\u00e4\u00dft,<br>3 so sind meine Worte aufrichtig wie mein Herz, und was meine Lippen wissen, sprechen sie unverf\u00e4lscht aus.<br>4 Der Geist Gottes, der mich geschaffen hat, und der Hauch des Allm\u00e4chtigen belebt mich.<br>5 Wenn du\u2019s vermagst, so widerlege mich: r\u00fcste dich mit Beweisgr\u00fcnden gegen mich, tritt an zum Kampf!<br>6 Siehe, ich stehe zu Gott ebenso wie du: aus Ton bin auch ich gebildet.<br>7 Nein, Angst vor mir braucht dich nicht einzusch\u00fcchtern, und meine Wucht soll dich nicht niederdr\u00fccken!\u00ab<br>8 \u00bbNun aber hast du vor meinen Ohren ausgesprochen, und deutlich habe ich deine Worte geh\u00f6rt:<br>9 \u203aUnschuldig bin ich, ohne Missetat, rein bin ich, und kein Vergehen haftet mir an!<br>10 F\u00fcrwahr, er (Gott) erfindet Feindseligkeiten gegen mich, sieht in mir einen Feind;<br>11 er legt meine F\u00fc\u00dfe in den Block, \u00fcberwacht alle meine Pfade.\u2039<br>12 Sieh, darin hast du unrecht, entgegne ich dir; denn Gott ist gr\u00f6\u00dfer als ein Mensch.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gott belehrt die Menschen \u00fcber seine Absichten und \u00fcber ihre S\u00fcnde bald durch Tr\u00e4ume, bald durch Leiden, besonders durch Krankheit<\/h3>\n\n\n\n<p>13 \u00bbWarum hast du den Vorwurf gegen ihn erhoben, da\u00df er dir auf alle deine Worte keine Antwort gebe?<br>14 Vielmehr redet Gott einmal und zweimal, man achtet nur nicht darauf.<br>15 Im Traum, im Nachtgesicht, wenn tiefer Schlaf die Menschen bef\u00e4llt, im Schlummerzustand auf dem Lager:<br>16 da \u00f6ffnet er den Menschen das Ohr und schreckt sie durch Verwarnung,<br>17 um den Menschen von seinem (b\u00f6sen) Tun abzubringen und den Mann vor \u00dcberhebung zu beh\u00fcten,<br>18 um seine Seele vor der Grube zu bewahren und sein Leben vor dem Gescho\u00df des Todes.<br>19 Auch wird er durch Schmerzen auf seinem Lager in Zucht genommen und durch andauernden Leidenskampf in seinen Gliedern,<br>20 so da\u00df f\u00fcr seinen Lebenstrieb alle Nahrung zum Ekel wird und f\u00fcr seine E\u00dflust sogar die Lieblingsspeise;<br>21 sein Fleisch schwindet dahin, da\u00df es nicht mehr zu sehen ist, und seine vordem verborgenen Knochen treten zu Tage,<br>22 so da\u00df seine Seele der Grube nahe kommt und sein Leben den Todesm\u00e4chten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wenn die Menschen sich dann unter Beistand eines Engelmittlers bekehren, so erhalten sie Verzeihung von Gott und v\u00f6llige Begnadigung<\/h3>\n\n\n\n<p>23 \u00bbWenn dann ein Engel f\u00fcr ihn da ist, ein F\u00fcrsprecher, ein einziger aus den tausend, um f\u00fcr den Menschen Zeugnis von seiner Gerechtigkeit abzulegen,<br>24 und dieser sich seiner erbarmt und (zu Gott) spricht: \u203aLa\u00df ihn frei, da\u00df er nicht in die Grube hinabf\u00e4hrt! Ich habe eine S\u00fchne gefunden\u2039,<br>25 so strotzt sein Leib wieder von Jugendkraft, so da\u00df er in die Tage seines J\u00fcnglingsalters zur\u00fcckversetzt wird.<br>26 Er betet zu Gott, und dieser nimmt ihn gn\u00e4dig an, l\u00e4\u00dft ihn sein Angesicht unter Jauchzen schauen und gibt dem Menschen seine Gerechtigkeit zur\u00fcck.<br>27 Er singt vor dem Volke und bekennt: \u203aIch hatte ges\u00fcndigt und das Recht verkehrt, aber es ist mir nicht vergolten worden!<br>28 Erl\u00f6st hat (Gott) meine Seele, da\u00df sie nicht in die Grube gefahren ist, und mein Leben erfreut sich am Anblick des Lichts!\u2039\u00ab<br>29 \u00bbSieh, dies alles tut Gott zweimal, ja dreimal an dem Menschen,<br>30 um seine Seele von der Grube fernzuhalten und damit er vom Licht des Lebens umleuchtet werde.<br>31 Merke auf, Hiob, h\u00f6re mir zu, schweige und la\u00df mich reden!<br>32 Hast du etwas einzuwenden, so widerlege mich; sprich, denn ich m\u00f6chte dich gern rechtfertigen.<br>33 Hast du aber nichts, so h\u00f6re mir zu; schweige, damit ich dich Weisheit lehre!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 34<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Elihu hob dann wieder an und sagte:<br>2 \u00bbVernehmt, ihr Weisen, meine Worte und, ihr Einsichtigen, schenkt mir Geh\u00f6r!<br>3 denn das Ohr pr\u00fcft die Worte, wie der Gaumen die Speisen kostet.<br>4 Wir wollen doch pr\u00fcfend das Recht finden, wollen gemeinsam erforschen, was gut ist.<br>5 Denn Hiob hat behauptet: \u203aIch bin gerecht, aber Gott hat mir mein Recht vorenthalten;<br>6 trotz meines Rechtes soll ich ein L\u00fcgner sein! T\u00f6dlich steckt sein Pfeil in mir, ohne da\u00df ich mich verschuldet habe!\u2039\u00ab<br>7 \u00bbWo ist ein Mann wie Hiob, der L\u00e4sterrede trinkt wie Wasser<br>8 und in Gemeinschaft mit \u00dcbelt\u00e4tern getreten ist und mit Frevlern Umgang pflegt?<br>9 Denn er hat behauptet: \u203aDer Mensch hat keinen Nutzen davon, da\u00df er mit Gott die Freundschaft aufrecht h\u00e4lt.\u2039<br>10 Darum h\u00f6rt mich an, ihr einsichtsvollen M\u00e4nner! Fern bleibe der Vorwurf von Gott, da\u00df er Frevel ver\u00fcbe, und vom Allm\u00e4chtigen, da\u00df er Unrecht tue!<br>11 Nein, was der Mensch tut, das vergilt er ihm und l\u00e4\u00dft es jedem nach seinem Lebenswandel ergehen.<br>12 Ja wahrlich, Gott handelt nicht frevelhaft, und der Allm\u00e4chtige beugt das Recht nicht.<br>13 Wer hat die Erde seiner Obhut anvertraut und wer den ganzen Erdkreis hergestellt?<br>14 Wenn er nur an sich selbst d\u00e4chte, seinen Geist und seinen Odem in sich zur\u00fcckz\u00f6ge,<br>15 so m\u00fc\u00dfte alles Fleisch insgesamt verscheiden und der Mensch wieder zu Staub werden.<br>16 Wenn du also verst\u00e4ndig bist, so h\u00f6re dies und gib wohl acht, wie meine Worte lauten!<br>17 Kann auch, wer das Recht ha\u00dft, ein Gemeinwesen leiten? Oder willst du den Allgerechten verdammen,<br>18 ihn, der zum K\u00f6nige sagt: \u203aDu Nichtsw\u00fcrdiger!\u2039 und zu den Hochgestellten: \u203aDu B\u00f6sewicht!\u2039,<br>19 ihn, der die Person der F\u00fcrsten nicht ansieht und den Vornehmen nicht vor dem Geringen bevorzugt, weil sie ja alle das Werk seiner H\u00e4nde sind.<br>20 In einem Augenblick sterben sie, und mitten in der Nacht wird ein Volk ersch\u00fcttert und mu\u00df dahinfahren, und Machthaber beseitigt er, ohne die Hand zu r\u00fchren.<br>21 Denn seine Augen sind auf die Wege eines jeden Menschen gerichtet, und er sieht alle seine Schritte:<br>22 da gibt es kein Dunkel und keine noch so dichte Finsternis, da\u00df die Frevler sich darin verbergen k\u00f6nnten.<br>23 Denn er braucht einen Menschen nicht erst lange zu beobachten, damit er vor Gott zum Gericht erscheine:<br>24 nein, er zerschmettert Gewalthaber ohne Untersuchung und l\u00e4\u00dft andere an ihre Stelle treten.<br>25 Somit kennt er ihre Taten wohl und st\u00fcrzt sie \u00fcber Nacht, so da\u00df sie zermalmt werden.<br>26 Als Frevler, die sie sind, gei\u00dfelt er sie vor aller Augen<br>27 zur Strafe daf\u00fcr, da\u00df sie von ihm abgefallen sind und alle seine Wege unbeachtet gelassen haben,<br>28 so da\u00df sie den Hilferuf des Armen zu ihm hinaufdringen lie\u00dfen und er den Notschrei der Bedr\u00fcckten vernehmen mu\u00dfte.<br>29 Verh\u00e4lt er sich aber ruhig, wer darf ihn verdammen? Und verh\u00fcllt er sein Angesicht, wer kann ihn schauen? So waltet er sowohl \u00fcber V\u00f6lkern als auch \u00fcber einzelnen Menschen gleicherweise,<br>30 damit nicht ruchlose Menschen die Herrschaft f\u00fchren, Leute, welche Fallstricke f\u00fcr das Volk sein w\u00fcrden.\u00ab<br>31 \u00bbDenn soll etwa Gott zu dir sagen: \u203aIch habe mich geirrt; will (aber) nicht wieder verkehrt handeln?<br>32 \u00dcber das, was ich nicht sehe, belehre du mich; wenn ich unrecht gehandelt habe, will ich es nicht wieder tun.\u2039<br>33 Soll er nach deinem Sinn Vergeltung \u00fcben, weil du unzufrieden bist, und sagen: \u203aDu hast das Bessere zu bestimmen, nicht ich; was du also wei\u00dft, das sprich aus!\u2039?<br>34 Verst\u00e4ndige Leute werden mir zugestehen und jeder weise Mann, der mir zuh\u00f6rt:<br>35 \u203aHiob redet ohne Einsicht, und seine Worte sind nicht wohlbedacht.\u2039<br>36 O da\u00df doch Hiob fort und fort gepr\u00fcft w\u00fcrde wegen seiner Widerreden nach Art der Frevler!<br>37 Denn zu seiner Verfehlung f\u00fcgt er noch den Abfall (von Gott) hinzu: er h\u00f6hnt laut in unserer Mitte und macht viel Redens gegen Gott.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 35<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Elihu hob dann wieder an und sagte:<br>2 \u00bbH\u00e4ltst du das f\u00fcr recht, nennst du das \u203ameine Gerechtigkeit vor Gott\u2039,<br>3 da\u00df du fragst: \u203aWas n\u00fctzt sie mir?\u2039 und: \u203aWas habe ich mehr davon, als wenn ich s\u00fcndigte?\u2039<br>4 Ich will dir darauf die Antwort geben, dir und zugleich deinen Freunden neben dir.<br>5 Blicke zum Himmel empor und sieh ihn an und schaue zu den Wolken hinauf, die hoch \u00fcber dir sind:<br>6 wenn du s\u00fcndigst, was tust du ihm damit zuleide? Und sind deine \u00dcbertretungen zahlreich, welchen Schaden f\u00fcgst du ihm damit zu?<br>7 Und so auch: wenn du gerecht bist, welches Geschenk machst du ihm damit, oder was empf\u00e4ngt er aus deiner Hand?<br>8 Nur den Menschen, wie du einer bist, geht dein Freveln an, und nur dir, dem Menschensohn, kommt dein Gerechtsein zugute.\u00ab<br>9 \u00bbMan schreit wohl \u00fcber die Menge der Bedr\u00fcckungen, klagt laut \u00fcber die Gewaltt\u00e4tigkeit der Gro\u00dfen,<br>10 doch keiner sagt: \u203aWo ist Gott, mein Sch\u00f6pfer, der Lobges\u00e4nge schenkt in der Nacht,<br>11 der uns Belehrung verleiht wie keinem Tiere des Feldes und uns h\u00f6here Weisheit gewinnen l\u00e4\u00dft als die V\u00f6gel des Himmels?\u2039<br>12 Da schreit man denn, ohne Erh\u00f6rung bei ihm zu finden, wegen des \u00dcbermuts der B\u00f6sen.<br>13 Jawohl: auf eitles Klagen h\u00f6rt Gott nicht, sondern der Allm\u00e4chtige l\u00e4\u00dft es unbeachtet.<br>14 Nun sagst du aber gar, du sehest ihn nicht; deine Sache liege ihm vor, du wartest aber vergeblich auf seine Entscheidung!<br>15 Und nun, da sein Zorn noch nicht gestraft und er sich um Torheit nicht sonderlich gek\u00fcmmert hat,<br>16 da rei\u00dft Hiob seinen Mund zu leerem Gerede auf und ergeht sich ohne Einsicht in vermessenen Worten!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 36<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Hierauf fuhr Elihu weiter fort zu reden:<br>2 \u00bbGedulde dich nur noch ein wenig, da\u00df ich dich unterweise! Denn ich habe f\u00fcr Gottes Sache noch mehr zu sagen.<br>3 Ich will mit meinem Wissen weit ausholen, um meinem Sch\u00f6pfer zu seinem Recht zu verhelfen;<br>4 denn wahrlich, meine Worte sind kein Trug: ein Mann mit vollkommener Erkenntnis verhandelt mit dir.\u00ab<br>5 \u00bbSiehe, Gott ist gewaltig und doch nicht teilnahmslos, gewaltig an Kraft des Herzens.<br>6 Er erh\u00e4lt den Frevler nicht am Leben, l\u00e4\u00dft aber den Elenden ihr Recht zukommen.<br>7 Er wendet seine Augen von dem Gerechten nicht ab, und K\u00f6nigen auf dem Thron verschafft er f\u00fcr immer einen festen Sitz, damit sie erh\u00f6ht sind.<br>8 Wenn sie aber mit Ketten gefesselt sind und in Ungl\u00fccksbanden gefangen liegen,<br>9 so h\u00e4lt er ihnen damit ihr Tun vor, ihre \u00dcbertretungen, da\u00df sie sich n\u00e4mlich \u00fcberhoben haben;<br>10 da \u00f6ffnet er ihnen das Ohr f\u00fcr Warnungen und mahnt sie, sich vom Frevel abzuwenden.<br>11 Wenn sie nun darauf h\u00f6ren und sich unterwerfen, so beenden sie ihre Tage im Gl\u00fcck und ihre Jahre in Wonne;<br>12 wollen sie aber nicht darauf h\u00f6ren, so fallen sie dem Todesgescho\u00df anheim und verscheiden in Unverstand.<br>13 Dann geraten aber solche ruchlos Gesinnte in Zorn: sie schreien nicht um Hilfe, obgleich er sie in Fesseln geschlagen hat.<br>14 So stirbt denn ihre Seele schon in der Jugendkraft dahin, und ihr Leben endet wie das der Lustknaben.<br>15 Die Dulder dagegen errettet er (gerade) durch ihr Dulden und \u00f6ffnet ihnen durch die Leiden das Ohr.\u00ab<br>16 \u00bbSo sucht er auch dich aus dem Rachen der Not auf weiten Raum zu f\u00fchren, wo keine Enge mehr ist, und dein Tisch w\u00fcrde mit fettem Mahl reich besetzt sein;<br>17 du aber hast dich ganz dem frevelhaften Urteilen hingegeben, darum werden Urteil und Gericht dich treffen.<br>18 La\u00df die Leidenschaft dich ja nicht zu L\u00e4sterungen verleiten und die Gr\u00f6\u00dfe des L\u00f6segeldes dich nicht beirren!<br>19 Wird etwa dein Geschrei dich aus der Bedr\u00e4ngnis herausbringen und alle noch so gewaltigen Anstrengungen?<br>20 Sehne die Nacht nicht herbei, wo V\u00f6lker an ihrer St\u00e4tte auffahren!<br>21 H\u00fcte dich, wende dich nicht dem Frevel zu; denn dazu bist du eher geneigt als zum Leiden.<br>22 Bedenke wohl: Gott vollbringt erhabene Dinge durch seine Kraft: wer ist ein Lehrmeister wie er?<br>23 Wer hat ihm sein Walten vorgeschrieben? Und wer hat je zu ihm sagen d\u00fcrfen: \u203aDu hast unrecht gehandelt\u2039?<br>24 Sei darauf bedacht, sein Tun zu erheben, das die Menschen in Liedern preisen!<br>25 Alle Menschen schauen es bewundernd an, und doch erblickt es der Sterbliche nur von ferne.\u00ab<br>26 \u00bbBedenke wohl: Gott ist zu erhaben f\u00fcr unsere Erkenntnis; die Zahl seiner Jahre, sie ist unerforschlich.<br>27 Denn er zieht Tropfen aus dem Meer empor, da\u00df sie von dem Dunst, den er bildet, als Regen niedertr\u00e4ufeln,<br>28 von dem die Wolken triefen und den sie auf die Menschenmenge rieseln lassen.<br>29 Wie kann man vollends die Ausbreitungen der Gewitterwolken verstehen, den Donnerschall seines Zeltes?<br>30 Siehe, er breitet sein Licht dar\u00fcber aus und bedeckt damit die tiefsten Tiefen des Meeres!<br>31 denn dadurch richtet er die V\u00f6lker, spendet zugleich aber auch Nahrung in reicher F\u00fclle.<br>32 Beide H\u00e4nde h\u00fcllt er in den leuchtenden Blitz und entbietet ihn gegen den Angreifer.<br>33 Sein Donnerget\u00f6se k\u00fcndigt ihn an als einen, der seinen Zorn gegen den Frevel eifern l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 37<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Ja, dar\u00fcber erzittert mein Herz und f\u00e4hrt st\u00fcrmisch empor von seiner Stelle.<br>2 H\u00f6rt, o h\u00f6rt auf das Donnern seiner Stimme und auf das Tosen, das seinem Munde entf\u00e4hrt!<br>3 Er entfesselt es unter dem ganzen Himmel hin und sein Blitzesleuchten bis an die S\u00e4ume der Erde.<br>4 Hinter (dem Blitz) her br\u00fcllt der Donner; er dr\u00f6hnt mit seiner hehren Stimme und h\u00e4lt (die Blitze) nicht zur\u00fcck, sobald sein Donner sich vernehmen l\u00e4\u00dft.<br>5 Gott donnert mit seiner Stimme wunderbar, er, der gro\u00dfe Dinge tut, die wir nicht begreifen.<br>6 Denn dem Schnee gebietet er: \u203aFalle auf die Erde nieder!\u2039 und ebenso dem Regengu\u00df: \u203aFalle als Dauerregen nieder!\u2039<br>7 Dann zwingt er die H\u00e4nde aller Menschen zur Unt\u00e4tigkeit, damit alle Menschen zur Erkenntnis seines Wirkens kommen.<br>8 Da zieht sich das Wild in sein Versteck zur\u00fcck und h\u00e4lt sich ruhig in seinen Schlupfwinkeln.<br>9 Aus der Kammer (des S\u00fcdens; vgl. 9,9) bricht der Sturm hervor und von den Nordwinden die K\u00e4lte:<br>10 durch den Hauch Gottes entsteht das Eis, und die weite Wasserfl\u00e4che liegt in enger Haft.<br>11 Auch belastet er mit Wasserf\u00fclle das Gew\u00f6lk, l\u00e4\u00dft seine Blitzwolken \u00fcberstr\u00f6men;<br>12 die wenden sich dann unter seiner Leitung hierhin und dorthin, um alles, was er ihnen gebietet, auszurichten auf dem ganzen weiten Erdkreise:<br>13 bald als Rute, wenn sie seinem Lande not tut, bald als Huldbeweis l\u00e4\u00dft er sie sich entladen.\u00ab<br>14 \u00bbVernimm dies, Hiob! Stehe still und erw\u00e4ge die Wunderwerke Gottes!<br>15 Begreifst du es, wie Gott ihnen Befehl erteilt und das Licht seines Gew\u00f6lks aufleuchten l\u00e4\u00dft?<br>16 Verstehst du dich auf das Schweben der Wolken, auf die Wundertaten des an Weisheit Vollkommenen,<br>17 du, dem die Kleider zu hei\u00df werden, wenn das Land beim S\u00fcdwind in schw\u00fcler Hitze daliegt?<br>18 Kannst du gleich ihm das Himmelsgew\u00f6lbe ausbreiten, das fest ist wie ein gegossener Spiegel?<br>19 La\u00df uns wissen, was wir ihm sagen sollen! Wir k\u00f6nnen vor Finsternis nichts vorbringen.<br>20 Soll ihm gemeldet werden, da\u00df ich reden wolle? Hat wohl je ein Mensch gefordert, er wolle vernichtet sein?<br>21 Und nun: in das Sonnenlicht kann man nicht blicken, wenn es am Himmelsgew\u00f6lbe strahlt, nachdem der Wind dar\u00fcber hingefahren ist und (den Himmel) gekl\u00e4rt hat.<br>22 Von Norden her kommt das Nordlicht: um Gott her liegt furchtbare Pracht.<br>23 Den Allm\u00e4chtigen, wir erreichen ihn nicht, ihn, der an Kraft gewaltig ist; aber das Recht und die volle Gerechtigkeit beugt er nicht.<br>24 Darum sollen die Menschen ihn f\u00fcrchten: er sieht keinen an, der sich selbst weise d\u00fcnkt!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 38<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">VIII. Gottes Offenbarung und Hiobs Dem\u00fctigung (38,1-42,6)<\/h3>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete der HERR dem Hiob aus dem Wettersturme heraus folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbWer ist\u2019s, der da den Heilsplan Gottes verdunkelt mit Worten ohne Einsicht?<br>3 Auf! G\u00fcrte dir die Lenden wie ein Mann, so will ich dich fragen, und du belehre mich!\u00ab<br>4 \u00bbWo warst du, als ich die Erde baute? Sprich es aus, wenn du Einsicht besitzest!<br>5 Wer hat ihre Ma\u00dfe bestimmt \u2013 du wei\u00dft es ja! \u2013, oder wer hat die Me\u00dfschnur \u00fcber sie ausgespannt?<br>6 Worauf sind ihre Grundpfeiler eingesenkt worden, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,<br>7 w\u00e4hrend die Morgensterne allesamt laut frohlockten und alle Gottess\u00f6hne jauchzten?<br>8 Und wer hat das Meer mit Toren verschlossen, als es hervorbrach, aus dem Mutterscho\u00df heraustrat?<br>9 Als ich Gew\u00f6lk zu seinem Kleide machte und dunkle Nebel zu seinen Windeln?<br>10 Als ich ihm das von mir bestimmte Gebiet absteckte und ihm Riegel und Tore herstellte<br>11 und sprach: \u203aBis hierher darfst du kommen, aber nicht weiter, und hier soll sich der Stolz deiner Wellen brechen!\u2039<br>12 Hast du jemals, seitdem du lebst, das Morgenlicht bestellt? Hast du dem Fr\u00fchrot seine St\u00e4tte angewiesen,<br>13 da\u00df es die S\u00e4ume der Erde erfasse und die Frevler von ihr verscheucht werden?<br>14 Sie (die Erde) verwandelt sich alsdann wie Wachs unter dem Siegel, und alles stellt sich dar wie ein Prachtgewand;<br>15 den Frevlern aber wird ihr Licht entzogen, und der zum Schlagen schon erhobene Arm zerbricht.<br>16 Bist du bis zu den Quellen des Meeres gekommen, und hast du die tiefsten Tiefen des Weltmeers durchwandelt?<br>17 Haben sich vor dir die Pforten des Todes aufgetan, und hast du die Pforten des Schattenreichs gesehen?<br>18 Hast du die weiten Fl\u00e4chen der Erde \u00fcberschaut? Sage an, wenn du dies alles wei\u00dft!<br>19 Wo geht denn der Weg nach der Wohnung des Lichts, und die Finsternis, wo hat sie ihre Heimst\u00e4tte,<br>20 da\u00df du sie in ihr Gebiet hinbringen k\u00f6nntest und da\u00df die Pfade zu ihrem Hause dir bekannt w\u00e4ren?<br>21 Du wei\u00dft es ja, denn damals wurdest du ja geboren, und die Zahl deiner Lebenstage ist gro\u00df!<br>22 Bist du zu den Vorratskammern des Schnees gekommen, und hast du die Speicher des Hagels gesehen,<br>23 den ich aufgespart habe f\u00fcr die Drangsalszeiten, f\u00fcr den Tag des Kampfes und des Krieges?<br>24 Wo ist der Weg dahin, wo das Licht sich teilt und von wo der Ostwind sich \u00fcber die Erde verbreitet?<br>25 Wer hat der Regenflut Kan\u00e4le gespalten und einen Weg dem Donnerstrahl gebahnt,<br>26 um regnen zu lassen auf menschenleeres Land, auf die Steppe, wo niemand wohnt,<br>27 um die Ein\u00f6de und Wildnis reichlich zu tr\u00e4nken und Pflanzengr\u00fcn sprie\u00dfen zu lassen?<br>28 Hat der Regen einen Vater, oder wer erzeugt die Tropfen des Taues?<br>29 Aus wessen Mutterscho\u00dfe geht das Eis hervor, und wer l\u00e4\u00dft den Reif des Himmels entstehen?<br>30 Wie zu Stein verh\u00e4rten sich die Wasser, und der Spiegel der Fluten schlie\u00dft sich zur festen Decke zusammen.<br>31 Vermagst du die Bande des Siebengestirns zu kn\u00fcpfen oder die Fesseln des Orion zu l\u00f6sen?<br>32 L\u00e4\u00dft du die Bilder des Tierkreises zur rechten Zeit hervortreten, und leitest du den Gro\u00dfen B\u00e4ren samt seinen Jungen?<br>33 Kennst du die f\u00fcr den Himmel g\u00fcltigen Gesetze, oder bestimmst du seine Herrschaft \u00fcber die Erde?<br>34 Kannst du deine Stimme hoch zu den Wolken dringen lassen, da\u00df str\u00f6mender Regen dich bedecke?<br>35 Entsendest du die Blitze, da\u00df sie hinfahren und zu dir sagen: \u203aHier sind wir\u2039?<br>36 Wer hat Weisheit in die Wolkenschichten gelegt oder wer dem Luftgebilde Verstand verliehen?<br>37 Wer z\u00e4hlt die Federwolken mit Weisheit ab, und die Schl\u00e4uche des Himmels, wer l\u00e4\u00dft sie sich ergie\u00dfen,<br>38 wenn das Erdreich sich zu Metallgu\u00df verh\u00e4rtet hat und die Schollen sich fest zusammenballen?<br>39 Erjagst du f\u00fcr die L\u00f6win die Beute, und stillst du die Gier der jungen Leuen,<br>40 wenn sie in ihren H\u00f6hlen kauern, im Dickicht auf der Lauer liegen?<br>41 Wer verschafft dem Raben sein Futter, wenn seine Jungen zu Gott schreien und wegen Mangels an Nahrung umherirren?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 39<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Kennst du die Zeit, wo die Felsgemsen werfen, und \u00fcberwachst du das Krei\u00dfen der Hirschk\u00fche?<br>2 Z\u00e4hlst du die Monde, w\u00e4hrend derer sie tr\u00e4chtig sind, und wei\u00dft du die Zeit, wann sie geb\u00e4ren?<br>3 Sie kauern nieder, lassen ihre Jungen zur Welt kommen, entledigen sich leicht ihrer Geburtsschmerzen.<br>4 Ihre Jungen erstarken, werden im Freien gro\u00df; sie laufen davon und kehren nicht wieder zu ihnen zur\u00fcck.<br>5 Wer hat den Wildesel frei laufen lassen und wer die Bande dieses Wildfangs gel\u00f6st,<br>6 dem ich die Steppe zur Heimat angewiesen habe und zur Wohnung die Salzgegend?<br>7 Er lacht des Gew\u00fchls der Stadt, den lauten Zuruf des Treibers h\u00f6rt er nicht.<br>8 Was er auf den Bergen ersp\u00e4ht, ist seine Weide, und jedem gr\u00fcnen Halme sp\u00fcrt er nach.<br>9 Wird der B\u00fcffel Lust haben, dir zu dienen oder nachts an deiner Krippe zu lagern?<br>10 Kannst du den B\u00fcffel mit seinem Leitseil an die Furche binden, oder wird er \u00fcber Talgr\u00fcnde die Egge hinter dir herziehen?<br>11 Darfst du ihm trauen, weil er gro\u00dfe Kraft besitzt, und ihm deinen Ernteertrag \u00fcberlassen?<br>12 Darfst du ihm zutrauen, da\u00df er deine Saat einbringen und sie auf deiner Tenne zusammenfahren werde?<br>13 Die Strau\u00dfenhenne schwingt fr\u00f6hlich ihre Fl\u00fcgel: sind es aber des (liebevollen) Storches Schwingen und Gefieder?<br>14 Nein, sie vertraut ihre Eier der Erde an und l\u00e4\u00dft sie auf dem Sande warm werden;<br>15 denn sie denkt nicht daran, da\u00df ein Fu\u00df sie dort zerdr\u00fccken und ein wildes Tier sie zertreten kann.<br>16 Hart behandelt sie ihre Jungen, als geh\u00f6rten sie ihr nicht; ob ihre M\u00fche vergeblich ist, das k\u00fcmmert sie nicht;<br>17 denn Gott hat ihr gro\u00dfe Klugheit versagt und ihr keinen Verstand zugeteilt.<br>18 Doch sobald sie hoch auff\u00e4hrt zum Laufen, verlacht sie das Ro\u00df und seinen Reiter.<br>19 Gibst du dem Ro\u00df die gewaltige St\u00e4rke? Bekleidest du seinen Hals mit der wallenden M\u00e4hne?<br>20 Machst du es springen wie die Heuschrecke? Sein stolzes Schnauben \u2013 wie erschreckend!<br>21 Es scharrt den Boden im Blachfeld und freut sich seiner Kraft, zieht der gewappneten Schar entgegen.<br>22 Es lacht \u00fcber Furcht und erschrickt nicht, macht nicht kehrt vor dem Schwert;<br>23 auf ihm klirrt ja der K\u00f6cher, blitzen der Speer und der Kurzspie\u00df.<br>24 Mit Ungest\u00fcm und laut stampfend sprengt es im Fluge dahin und l\u00e4\u00dft sich nicht halten, wenn die Posaune erschallt;<br>25 bei jedem Trompetensto\u00df ruft es \u203aHui!\u2039 und wittert den Kampf von fern, den Donnerruf der Heerf\u00fchrer und das Schlachtget\u00f6se.<br>26 Hebt der Habicht dank deiner Einsicht die Schwingen, breitet seine Fl\u00fcgel aus nach dem S\u00fcden zu?<br>27 Oder schwebt der Adler auf dein Gehei\u00df empor und baut sein Nest in der H\u00f6he?<br>28 Auf Felsen wohnt er und horstet auf Felszacken und Bergspitzen;<br>29 von dort sp\u00e4ht er nach Beute aus: in weite Ferne blicken seine Augen;<br>30 und seine Jungen schon verschlingen gierig das Blut, und wo Erschlagene liegen, da ist auch er.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 40<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Hierauf wandte sich der HERR weiter an Hiob mit der Frage:<br>2 \u00bbHadern will der Tadler mit dem Allm\u00e4chtigen? Der Ankl\u00e4ger Gottes gebe Antwort darauf!\u00ab<br>3 Da antwortete Hiob dem HERRN:<br>4 \u00bbAch, ich bin zu gering: was soll ich dir entgegnen? Ich lege meine Hand auf den Mund!<br>5 Einmal habe ich geredet, werde aber nichts mehr entgegnen; und noch ein zweites Mal habe ich es getan, doch niemals tue ich es wieder.\u00ab<br>6 Weiter antwortete der HERR dem Hiob aus dem Wettersturm heraus folgenderma\u00dfen:<br>7 \u00bbAuf! G\u00fcrte dir die Lenden wie ein Mann: ich will dich fragen, und du belehre mich!<br>8 Willst du wirklich mein Recht zunichte machen, mich schuldig sprechen, damit du als gerecht dastehst?\u00ab<br>9 \u00bbHast du etwa einen Arm wie Gott, und vermagst du den Donner so laut rollen zu lassen wie er?<br>10 So schm\u00fccke dich doch mit Erhabenheit und Hoheit und kleide dich in Pracht und Herrlichkeit!<br>11 La\u00df die Ausbr\u00fcche deines Zorns sich ergie\u00dfen! Und gewahrst du irgendeinen Hochm\u00fctigen, so wirf ihn nieder!<br>12 Ja, gewahrst du irgendeinen Hochm\u00fctigen, so dem\u00fctige ihn und st\u00fcrze die Frevler nieder, wo sie stehen!<br>13 La\u00df sie allesamt tief in den Staub sinken, la\u00df ihr Angesicht erstarren in Todesgrauen!<br>14 Dann will auch ich dich lobend anerkennen, da\u00df deine Rechte dir den Sieg verliehen hat.\u00ab<br>15 \u00bbSieh doch das Nilpferd an, das ich geschaffen habe wie dich: von Pflanzen n\u00e4hrt es sich wie das Rind!<br>16 Sieh doch, welche Kraft bei ihm in den Lenden wohnt und welche St\u00e4rke in den Muskeln seines Leibes!<br>17 Es macht seinen Schwanz so starr wie eine Zeder; die Sehnen seiner Schenkel sind fest verflochten.<br>18 Seine Knochen sind R\u00f6hren von Erz, seine Gebeine gleich geschmiedeten Eisenstangen.<br>19 Es ist der Erstling der sch\u00f6pferischen T\u00e4tigkeit Gottes; sein Bildner hat ihm auch sein Schwert verliehen.<br>20 Denn Futter liefern ihm die Anh\u00f6hen, wo alle wilden Landtiere spielen.<br>21 Unter Lotusb\u00fcschen lagert es sich, im Versteck von Schilfrohr und Sumpf;<br>22 Lotusb\u00fcsche geben ihm Deckung mit ihrem Schattendach, und die Weiden des Baches umgeben es.<br>23 Selbst wenn der Strom m\u00e4chtig anschwillt, ger\u00e4t es nicht in Unruhe: es bleibt wohlgemut, wenn auch ein Jordan gegen seinen Rachen andringt.<br>24 Wer will es von vorn packen, wer mit einem Fangseil ihm die Nase durchbohren?<br>25 Kannst du das Krokodil (eig. der Leviathan) am Angelhaken heranziehen und ihm die Zunge mit der Schnur niederdr\u00fccken?<br>26 Kannst du ihm einen Binsenring durch die Nase ziehen und einen Dorn durch seinen Kinnbacken bohren?<br>27 Meinst du, es werde viele Bitten an dich richten oder dir gute Worte geben?<br>28 Wird es einen Vertrag mit dir schlie\u00dfen, wonach du es f\u00fcr immer in deine Dienste n\u00e4hmest?<br>29 Wirst du mit ihm spielen wie mit einem V\u00f6glein und es zur Kurzweil f\u00fcr deine M\u00e4gdlein anbinden?<br>30 Treibt die Fischerzunft Handel mit ihm, da\u00df sie es st\u00fcckweise an die H\u00e4ndler abgibt?<br>31 Kannst du ihm die Haut mit Spie\u00dfen spicken und seinen Kopf mit Fischerhaken durchbohren?<br>32 Vergreife dich nur einmal an ihm: mache dich auf Kampf gefa\u00dft! Du wirst\u2019s gewi\u00df nicht wieder tun!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 41<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Ja, eine solche Hoffnung erweist sich als Trug: schon bei seinem Anblick bricht man zusammen.<br>2 Niemand ist so tollk\u00fchn, da\u00df er es aufst\u00f6rt; und wer ist es, der ihm entgegengetreten und heil davongekommen w\u00e4re?<br>3 Wer unter dem ganzen Himmel ist es?<br>4 Nicht schweigen will ich von seinen Gliedma\u00dfen, weder von seiner Kraftf\u00fclle noch von der Sch\u00f6nheit seines Baues.<br>5 Wer hat je sein Panzerkleid oben aufgedeckt und wer sich in die Doppelreihe seines Gebisses hineingewagt?<br>6 Wer hat je das Doppeltor seines Rachens ge\u00f6ffnet? Rings um seine Z\u00e4hne herum lagert Schrecken.<br>7 Prachtvoll sind die Zeilen seiner Schilder, jede einzelne enganliegend wie durch ein festes Siegel:<br>8 eine schlie\u00dft sich eng an die andere an, und kein L\u00fcftchen dringt zwischen ihnen ein:<br>9 jede haftet fest an der andern, sie greifen untrennbar ineinander.<br>10 Sein Niesen l\u00e4\u00dft einen Lichtschein ergl\u00e4nzen, und seine Augen gleichen den Wimpern des Morgenrots.<br>11 Aus seinem Rachen schie\u00dfen Flammen, spr\u00fchen Feuerfunken hervor.<br>12 Aus seinen N\u00fcstern str\u00f6mt Rauch heraus wie aus einem siedenden Topf und wie aus Binsenfeuer.<br>13 Sein Atem setzt Kohlen in Brand, und Flammen entfahren seinem Rachen.<br>14 In seinem Nacken wohnt Kraft, und vor ihm her st\u00fcrmt bange Furcht dahin.<br>15 Die Wampen seines Leibes haften fest zusammen, sind wie angegossen an ihm, unbeweglich.<br>16 Sein Herz ist hart wie ein Stein und unbeweglich wie ein unterer M\u00fchlstein.<br>17 Wenn es auff\u00e4hrt, schaudern selbst Helden, geraten vor Entsetzen au\u00dfer sich.<br>18 Trifft man es mit dem Schwert \u2013 das haftet ebensowenig wie Speer, Wurfspie\u00df und Pfeil.<br>19 Eisen achtet es gleich Stroh, Erz gleich morschem Holz.<br>20 Kein Pfeil des Bogens bringt es zum Fliehen; Schleudersteine verwandeln sich ihm in Spreu.<br>21 Wie ein Strohhalm kommt ihm die Keule vor, und nur ein L\u00e4cheln hat es f\u00fcr den Anprall der Lanze.<br>22 Seine Unterseite bilden spitze Scherben; einen breiten Dreschschlitten dr\u00fcckt es in den Schlamm ein.<br>23 Es macht die tiefe Wasserflut wie einen Kochtopf sieden, r\u00fchrt das Meer auf wie einen Salbenkessel.<br>24 Hinter ihm her leuchtet sein Pfad: man k\u00f6nnte die Schaumflut f\u00fcr Silberhaar halten.<br>25 Auf Erden gibt es nicht seinesgleichen; es ist dazu geschaffen, sich nie zu f\u00fcrchten.<br>26 Auf alles Hohe sieht es mit Verachtung hin: der K\u00f6nig ist es \u00fcber alle stolzen Tiere.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hiob Kapitel 42<\/h2>\n\n\n\n<p>1 Da antwortete Hiob dem HERRN folgenderma\u00dfen:<br>2 \u00bbIch habe anerkannt, da\u00df du alles vermagst und kein Vorhaben dir unausf\u00fchrbar ist.<br>3 [\u203aWer ist\u2019s, der da den Ratschlu\u00df Gottes verdunkelt ohne Einsicht?\u2039] So habe ich denn in Unverstand geurteilt \u00fcber Dinge, die zu wunderbar f\u00fcr mich waren und die ich nicht verstand.<br>4 [\u203aH\u00f6re doch und la\u00df mich reden! Ich will dich fragen, und du belehre mich!\u2039]<br>5 Nur durch H\u00f6rensagen hatte ich von dir vernommen, jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.<br>6 Darum bekenne ich mich schuldig und bereue in Staub und Asche.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">IX. Hiobs Rechtfertigung durch Gott; Wiederherstellung seines Gl\u00fccksstandes (42,7-17)<\/h3>\n\n\n\n<p>7 Darauf, nachdem der HERR so zu Hiob gesprochen hatte, sagte der HERR zu Eliphas von Theman: \u00bbEntbrannt ist mein Zorn gegen dich und gegen deine beiden Freunde; denn ihr habt nicht richtig von mir geredet wie mein Knecht Hiob.<br>8 Darum holt euch nun sieben junge Stiere und sieben Widder, begebt euch zu meinem Knecht Hiob und bringt ein Brandopfer f\u00fcr euch dar! Mein Knecht Hiob soll dann F\u00fcrbitte f\u00fcr euch einlegen; denn nur aus R\u00fccksicht auf ihn will ich euch eure Torheit nicht entgelten lassen, weil ihr nicht richtig von mir geredet habt wie mein Knecht Hiob.\u00ab<br>9 Da gingen Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naama hin und taten, wie der HERR ihnen geboten hatte; und der HERR nahm R\u00fccksicht auf Hiob.<br>10 Der HERR stellte dann Hiobs Gl\u00fccksstand wieder her, als er F\u00fcrbitte f\u00fcr seine Freunde eingelegt hatte; und der HERR vermehrte den ganzen Besitz Hiobs so, da\u00df er doppelt so gro\u00df war als fr\u00fcher.<br>11 Da kamen alle seine Br\u00fcder und Schwestern und alle seine fr\u00fcheren Bekannten zu ihm; sie a\u00dfen mit ihm in seinem Hause, bezeigten ihm ihr Beileid und tr\u00f6steten ihn wegen all des Ungl\u00fccks, mit dem der HERR ihn heimgesucht hatte; auch schenkten sie ihm ein jeder ein wertvolles Geldst\u00fcck und jeder einen goldenen Ring.<br>12 Der HERR aber segnete die nachfolgende Lebenszeit Hiobs noch mehr als seine fr\u00fchere, so da\u00df er es auf 14000 St\u00fcck Kleinvieh, 6000 Kamele, 1000 Joch Rinder und 1000 Eselinnen brachte.<br>13 Auch wurden ihm wieder sieben S\u00f6hne und drei T\u00f6chter geboren;<br>14 die eine nannte er Jemima, die andere Kezia, die dritte Keren-Happuch;<br>15 und man fand im ganzen Lande keine so sch\u00f6nen Frauen wie die T\u00f6chter Hiobs; und ihr Vater gab ihnen ein Erbteil unter ihren Br\u00fcdern. \u2013<br>16 Danach lebte Hiob noch hundertundvierzig Jahre und sah seine Kinder und Kindeskinder, vier Geschlechter;<br>17 dann starb Hiob alt und lebenssatt.<\/p>\n\n\n<style>.wp-block-kadence-spacer.kt-block-spacer-688_0a195d-6b .kt-block-spacer{height:60px;}.wp-block-kadence-spacer.kt-block-spacer-688_0a195d-6b .kt-divider{border-top-width:1px;height:1px;border-top-color:#eee;width:80%;border-top-style:solid;}<\/style>\n<div class=\"wp-block-kadence-spacer aligncenter kt-block-spacer-688_0a195d-6b\"><div class=\"kt-block-spacer kt-block-spacer-halign-center\"><hr class=\"kt-divider\"\/><\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><style>.wp-block-kadence-advancedbtn.kb-btns688_a3b980-17{gap:var(--global-kb-gap-xs, 0.5rem );justify-content:center;align-items:center;}.kt-btns688_a3b980-17 .kt-button{font-weight:normal;font-style:normal;}.kt-btns688_a3b980-17 .kt-btn-wrap-0{margin-right:5px;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_a3b980-17 .kt-btn-wrap-0 .kt-button{color:#555555;border-color:#555555;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_a3b980-17 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:hover, .wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_a3b980-17 .kt-btn-wrap-0 .kt-button:focus{color:#ffffff;border-color:#444444;}.wp-block-kadence-advancedbtn.kt-btns688_a3b980-17 .kt-btn-wrap-0 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