Prophetische Bücher

Einführung zu den Büchern der Propheten


Die biblischen Propheten sind keine „gewöhnlichen“ Wahrsager, Schamanen, Medizinmänner oder Seher, wie es sie in allen Stämmen und Völkern, seit den Anfängen unserer Spezies und in abgelegenen Regionen unserer Welt bis in die heutige Zeit gibt.

Ihre Praktiken umfassen unter vielem anderen Wetter-, Wolken-, Traum- und Zeichen-Deutungen, oder auch das Lesen der Zukunft aus den Eingeweiden von Opfertieren und das Werfen von Symbolen aus Knochen, Holz oder Stein .
Bei der Entstehung der Zivilisationen entstanden daraus in der Folge auch überall und unabhängig voneinander „organisierte“ Priesterkasten oder “geistliche Berufsgruppen“, die ihre Tätigkeit eher als „Arbeit zum Unterhalt“ denn als „Berufung“ verstanden.

Einem Handwerk, das erlernt und zu einer “geistig-gesellschaftlichen Stellung” führte die schließlich auch vererbt werden konnte.

Die Prophetenbücher in denen wir hier lesen können, stammen dagegen von Menschen aus den verschiedensten sozialen Bevölkerungsschichten und Berufsgruppen.
Das Entscheidende bei diesen „Schriftpropheten“ der Bibel war – sie alle hatten eine Botschaft von Gott in einer bestimmten Situation auszurichten!

Diese Offenbarungen konnten an eine einzelne Person, das Nordreich Israel oder das Südreich Juda, oder auch an ganz Israel gerichtet sein – und Jona wurde mit einer Botschaft von Gott sogar „international“ 🙂 nach Ninive (nahe dem heutigen Mossul im heutigen Nord-Irak), der letzten und mächtigsten Hauptstadt des neuassyrischen Reiches gesandt!

In erster Linie halten diese Propheten ihren Zeitgenossen einen Spiegel vor – sie entlarven die Scheinheiligkeit und Gottlosigkeit und rufen zur Umkehr. Die dabei angesprochenen Themen betreffen alle Bereiche des Lebens – staatlich, gesellschaftlich und der Religion.

Die ersten von diesen Propheten traten auf, als Israel als Staat noch mächtig und wohlhabend war, sie hatten viel von dem kommenden Gericht zu predigen.
Gericht für das Verhalten, wie es im Volk und oft auch unter den Herrschenden üblich war.

Erst als die ganze Macht in allen Stämmen Israels verschwunden war (nach dem Babylonischen Exil), fiengen die Propheten an, das Volk zu trösten und ihm Zuversicht zu geben.

Dabei geht alle Hoffnung in der Prophetie der Bibel immer auch gleichzeitig einher mit der Erkenntnis der eigenen Machtlosigkeit und dem Vertrauen, der Hinwendung zu Gott.

Neben dieser schonungslosen Kritik, den Warnungen und Rufen zur Umkehr – „zur Buße“ – und den Ankündigungen der kommenden „Gerichte“ für Einzelne, Völker und die ganze Menschheit – geht es in all diesen Prophetenbüchern immer auch um die Verheißung eines Messias –
das Versprechen Gottes auf einen „Gesalbten“, einen Retter für Israel und schließlich für alle Menschen, die den Ruf des Gottes der Bibel annehmen, überall in der Welt.

Oftmals werden unter den prophetischen Büchern noch zwischen den sogenannten„großen Propheten“:
Jesaja, Jeremia und seine Klagelieder, dem Propheten Heskiel und Daniel
und den zwölf „kleinen Proheten“: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi – dem sogenannten „Zwölfprophetenbuch“ unterschieden.

Ich persönlich finde eine Einteilung nach dem Ort des Auftretens – die uns damit gleichzeitig eine grobe zeitliche Übersicht über diese „Schriftpropheten“ bietet – für sinnvoller.
Hier in Kurzem – aber unendlich viel mehr hat Gott dann durch die Propheten selbst zu sagen. 🙂

Primär im Nordreich, vor dem Fall Israels im Jahr 722 v. Chr.

Amos: Seine Warnung, dass auf beharrliches Sündigen ein göttliches Strafgericht folgen muss

Hosea: Spricht vor allem über Gottes Liebe zu Israel

Jona: Seine Botschaft an das herrschende Großreich Assyrien: Kehre um! Jona selbst wollte genau das Gegenteil 🙂 – Hier zeigt sich die Liebe Gottes auch zu den Heiden schon im Alten Testament.

In Juda, dem Südreich, während der langen Jahre des Niedergangs

Joel: Spricht über den „Tag des Herrn“ – das zweite Wiederkommen von Jesus Christus nach der „Gnadenzeit“, in der wir noch leben – und über das Gericht über die Völker

Obadja: Prophezeit das Gericht über Edom (im südlichen Bergland des heutigen Jordanien)

Jesaja: Hat uns sehr viel zu sagen, er spricht viel von dem kommenden Weltheiland, dem Messias – dem Christus und gleichzeitig dem kommenden König Israels

Micha: Auch er hat uns von Bethlehems kommendem König und seinem Reich zu berichten.

In Juda während der letzten Jahre vor den Wegführungen nach Babylon, etwa von 634 bis 606 vor Christus

Jeremia: Verkündet das Gericht über Jerusalem, aber er spricht auch über seine kommende Herrlichkeit

Nahum: Verkündet Gottes endgültiges Gericht über das Assyrische Reich und seine Hauptstadt und dessen kommendes Ende

Habakuk: Spricht über Gottes Reich und davon, dass Sein Volk triumphieren wird

Zefanja: Prophezeit dass ein Überrest errettet und von Gott gesegnet wird

Die Schriftpropheten in der babylonischen Gefangenschaft bis in die persische Herrschaft, ab ungefähr 606 bis 538 v. Chr.

Daniel: Kündet die kommenden Weltreiche an und spricht viel über „die Zeit der Heiden“ sowie das kommende messianische Reich für Israel. Daniels Schau in seinem langen Leben reicht bis ans Ende dieses „Weltalters“.

Hesekiel: Prophezeit ebenfalls weit über die kommende Wiederherstellung Israels, als Land und als Nation, hinaus

Während der Zeit der Wiederherstellung Jerusalems und Israels, durch die Rückkehrer aus dem babylonischen Exil
In den Jahren um 538 bis in das 4. vorchristliche Jahrhundert

Haggai: Sagt die Wiederherstellung des Tempels in Jerusalem und die des Reiches für Israel voraus

Sacharja: Spricht wieder viel über den kommenden Retter als den Messias, den “Sproß” und Königspriester

Maleachi: Als der letzte Schriftprophet klagt Maleachi über das kalte Herz des Volkes Israel.
Er spricht auch die letzten Warnungen an das Volk vor dem kommenden Gericht für seinen Abfall vom lebendigen Gott aus.
Aber auch der letzte Prophet, der in Gottes Wort „zu Wort“ kommt, kündet das Kommen des Messias – und sogar seines Wegbereiters, Johannes den Täufer – an!


Zum Abschluss ein paar Gedanken, die eigentlich nicht direkt zu den Prophetenbüchern selbst gehören, aber meiner Meinung nach doch wichtig zum Thema der Propheten Gottes sind.

Die Bibel berichtet uns über viele weitere Propheten. Einige davon, wie Samuel oder auch die Könige David und Salomo (die gleichzeitig eine Vorschau des „königlichen Priestertums“ sind, das allen Kindern Gottes in Jesus Christus zusteht), haben gleich mehrere Bücher hinterlassen – obwohl ihre Schriften einen ganz anderen Platz in der Bibel gefunden haben.

Aber sehr viele andere Propheten Gottes werden in der Bibel nur am Rande erwähnt.
Ihre Botschaften waren vielleicht genauso wichtig wie die von denen wir lesen können – aber diese Nachrichten Gottes waren nicht für uns alle bestimmt!

Die Ordnungen und Kriterien, die für einen Propheten Gottes Geltung haben, werden im 5. Buch Mose im Kapitel 18 in den Versen 9 bis 22, dem sogenannten „Prophetengesetz“, aufgeführt.

Übrigens finden sich genauso Frauen unter den Propheten wie Männer- und auch, aber nicht erst im Neuen Testament!
Als die „erste Prophetin“ überhaupt wird schon Miriam – die ältere Schwester von Moses – gennant.
Mose, ihr kleiner Bruder 🙂 wird dann auch als der „erste Prophet“ aufgeführt…
Oder Deborah, die nicht nur als Prophetin, als„nebi’a“ – berufene Ruferin – bezeichnet wird, sondern auch gleichzeitig das Amt des „Richters“ ausübte, des geistlichen und weltlichen Leiters des Volkes Israel in jenen Zeiten.
Von Deborah können wir im Buch der Richter ab dem 4. Kapitel lesen…

Die Propheten des Alten Testamentes waren alle auch von Gottes Geist erfüllt, dem „Ruach ha Kodesh“, der ihnen ihre Botschaften und Aufgaben gab – göttliche Prophetie ist eine der Gaben des Geistes Gottes!
Diese besondere Salbung, die „Erfüllung mit dem Heiligen Geist“, ist an Pfingsten des Jahres 32 unserer Zeitrechnung allen Nachfolgern Jesu zugänglich geworden – was aber keinesfalls bedeutet, dass dadurch auch ein jeder gleich zu einem Propheten wird. 🙂


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